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5. Kapitel
und noch dazu ungenau beobachteten Hergang im mo
dernen Wirtschaftsleben zu einer allgemeinen Theorie
erweitert und die Übertragung kleinbürgerlicher Be
griffe in die Volkswirtschaft, die nur verwirren statt
zu klären. Allerdings werden in gewissen Fällen z. B.
bei verlustbringenden Unternehmungen Arbeiter aus
dem Kapital, also aus einem Fond bezahlt, den sie
nicht selber hervorbringen, aber das ist doch nicht
die Regel. Entweder die Theorie des Lohnfond be
sagt: ohne ihn ist eine Arbeitsleistung unter allen
Umständen ausgeschlossen, dann ist sie nicht wahr,
denn die Arbeit war eher da, als irgendein Lohnfond,
oder sie sagt: er ist in gewissen Fällen nötig, dann
ist sein theoretischer Wert gleich 0.
Wenn ein Fabrikant, sagen wir der Chef eines
Schienenwalzwerkes, am Sonnabend in seine Kasse greift,
um die Löhne zu zahlen, so hält er das meist für
einen Vorschuß, den er den Arbeitern gewährt,' sein
Geld kommt ihm wie ein Fond vor, aus dem die
Arbeit gespeist wird, und doch sind es die Arbeiter,
die ihm in den 6 Tagen der Woche einen Vorschuß
durch ihre Leistungen gegeben haben. Sie haben mit
jedem Tage sein Kapital vermehrt, denn es ist durch
aus irrig, nur das Geld als Kapital anzusehen. Seine
sämtlichen Warenbestände gehören dazu. Diese aber
haben durch die Arbeiter täglich an Wert zugenommen,
und wenn der Fabrikant schließlich am Sonnabend die
Löhne auszahlt, gibt er den Arbeitern nur, was diese
ihm vorher gegeben haben.
Wenn täglich eine Geschäftsbilanz aufgemacht
würde, so würde diese Tatsache auch rechnerisch klar
zum Ausdruck kommen. Kein verständiger Buchhalter
wird den Wert des Schienenlagers bei ununterbroche-