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5. Kapitel
fond keine Rede sein, so sehr es hier den Anschein
hat,' denn das zu diesen Zwecken vorhandene Geld
stammt doch auch erst aus der Arbeit. Mittels der direk
ten und namentlich der indirekten Steuern haben die
Arbeiter aus ihrem früheren Arbeitsertrag den Fond
zu schaffen geholfen, aus dem sie nun entlohnt werden.
Also wer beweisen will, daß die häufig konstatierte
schlechte Entlohnung aus einem schwankenden Lohnfond
zu erklären sei, d. h. aus Ursachen, die in der Natur der
Lohnarbeit selbst liegen sollen, wird zur Rlärung des
Lohnproblems schwerlich beitragen, denn er argumen
tiert mit Dingen, die nur in der Einbildung existieren.
Für uns liegt die Erklärung augenscheinlicher wirt
schaftlicher Ungerechtigkeiten nie in angeblich ewigen
wirtschaftlichen Gesetzen und Theorien, sondern wir
fragen umgekehrt: wo steckt irgendeine Ver
letzung wirtschaftlicher Gesetze, irgendeine
Unfreiheit, eine menschliche Willkür? Denn
wir sehen, daß bei voller Freiheit auch der Tausch von
Sache gegen Arbeit stets nach beiden Seiten vorteil
haft ist.
Nun könnte man einwenden, die volle Tauschfreiheit
sei nirgends vorhanden. Selbst wenn die politische
Freiheit bestände, so bliebe doch der wirtschaftliche
Zwang bestehen, der den Arbeiter dem Rapita! gegen
über in Nachteil versetze,- also beim Tausch von Arbeit
gegen Sache sei erstere nicht frei.
Das mag historisch richtig sein, beweist aber nichts
gegen unsere Theorie. Denn wir haben an anderer
Stelle gesehen, daß der wirtschaftliche Zwang, soweit
er volkswirtschaftlich in Betracht kommt, auch wieder
erst durch willkürliche Eingriffe der Menschen in den
Gang der Entwickelung hervorgerufen worden ist. Tat-