Full text: Laienbrevier der National-Ökonomie

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6. Kapitel 
Charakter verlieren soll, wenn sich auf diesem Klümp 
chen Gold zufällig der deutsche Münzstempel befinden 
sollte. 
Das ist doch alles so natürlich und einfach, daß 
man kaum versieht, wie man einen Unterschied zwischen 
Kaufen und Tauschen überhaupt nationalökonomisch hat 
herauskonstruieren können. 
Man reitet zumeist darauf herum, daß das Gold, 
indem die Menschen es zu Münzzwecken verwenden, 
einen wert erhalten habe, den es sonst nicht hätte. 
Gewiß hat es dadurch, daß es ein überall begehrtes 
Zahlungsmittel ist, den Vorteil, daß es als Ware, 
wenn einmal in Menschenhände gekommen, nie die 
Stätte seines Verbrauchs zu suchen hat, wie 
alle anderen waren, daß man es nimmt, wo 
immer es erscheint, daßesdadurchstetsundüber- 
all seinen höchsten wert hat, während andere 
Waren in demselben Verhältnis im preise sinken, wie 
sie von der Stätte ihres Konsums entfernt und dem 
verderben ausgesetzt sind,- aber unter gleichen Bedin 
gungen, also an gemeinsamen Verbrauchsstätten sind 
1000 Mark Gold nicht mehr wert als 1000 Mark 
Kupfer oder 1000 Mark Weizen, wer anders argu 
mentiert, wird logischerweise 1 kg Federn für leichter 
halten müssen als 1 kg Blei. — 
Die übertriebene Auffassung vom „höheren" werte 
des Goldes beruht zum großen Teil auf alten Gefühls 
momenten, die wir immer noch nicht ganz haben ab 
schütteln können. „Vach Golde drängt, am Golde hängt 
doch alles! Ñch, wir Armen!" 
Einem Kaufmanne sind jedenfalls 1000 Mark 
waren auf seinem Speicher, solange er weiß, daß er 
sie an den Mann bringen kann, lieber als 1000 Mark
	        
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