Full text : Laienbrevier der National-Ökonomie

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Das  subjektive  Gefühl  als  wirtschaftlicher  Faktor
Heißsporne  gingen  soweit,  zu  behaupten,  daß  der  Konsum
  überhaupt  nicht  würde  befriedigt  werden  können,
es  sei  denn  zu  nie  dagewesenen  Preisen.
Aber  diese  Berechnungen  und  Prophezeiungen  fielen
in  eine  Zeit,  wo  die  Spekulation  in  Zucker  durch  jahrelange ­
  Mißerfolge  total  entmutigt  war,  man  glaubte
einfach  diesen  Zahlenreihen  nicht,  und  merkwürdigerweise
behielt  in  dieser  Divergenz  zwischen  bewußter  Berechnung ­
  und  unbewußtem  Gefühl  das  letztere  Recht.  Man
konnte  die  Zahlen  nicht  mit  Zahlen  widerlegen,  aber
das  Gefühl  sagte,  daß  ein  Zustand  völliger  vorratslosigkeit
  in  einem  so  großen  Artikel  wie  Zucker  gar
nicht  vorkommen  kann,  es  verließ  sich  auf  die  vielen
Smpoderabilien  im  Wirtschaftsleben,  auf  die  überall
verteilten  unsichtbaren  Vorräte,  und  diese  halfen  dann
auch  den  offenkundigen  über  eine  Erschöpfung  hinweg.
Man  sieht,  es  kommt  nicht  immer  auf  das  Tatsachenmaterial ­
  an,  sondern  der  Glaube  daran,  die  sogenannte ­
  Meinung  spielt  eine  hervorragende  Rolle,  und
da  sie  in  durchaus  greifbaren  Resultaten  in  Mark
und  Pfennigen  zum  Ausdruck  kommt,  so  erscheint  sie
als  wirtschaftlicher  Faktor  von  nahezu  gleicher  Bedeutung ­
  wie  das  Tatsachenmaterial.
Ähnliche  Anschauungen  bringt  ein  so  gründlicher
Beobachter  der  Weltmarktverhältnisse,  wie  Professor
Ruhland,  für  Getreide  zum  Ausdruck,  indem  er  sich
im  „Entwickelungsprogramm  der  Preisbildung  für  Getreide" ­
  wie  folgt,  äußert:  „Die  Preisbildung  für  Getreide ­
  nach  Angebot  und  Nachfrage  ist  heute  keine  Tatsache, ­
  sondern  ein  Programm.  Die  Riesenmassen,  welche
täglich  auf  der  Erde  in  Getreide  umgesetzt  werden,  sind
keinem  körperlichen  Auge  sichtbar.  Deshalb  tritt  heute
an  Stelle  der  früher  auf  dem  Lokalmarkte  gewohnten
            
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