Full text: Laienbrevier der National-Ökonomie

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Das subjektive Gefühl als wirtschaftlicher Faktor 
läßt, als ob das von ihnen Erhoffte Tatsache wäre, 
selbst wenn es nicht der Fall ist. 
Daß ein so irregeleitetes Gefühl eventuell durch 
die harten Tatsachen korrigiert wird, mag sein, aber 
inzwischen ist es volkswirtschaftlich nicht einerlei gewesen, 
ob lediglich aus Gefühlsmomenten heraus für das Recht 
der Bodennutzung 1 oder 2 Milliarden Sachgüter mehr 
hergegeben worden sind, als sonst der Fall gewesen wäre. 
Ähnlich wirkt der Glaube an den Zollschutz, resp. 
die Grenzsperre, nach der Konsumentenseite. 
Es mag hundertmal von interessierter Seite nachge 
wiesen und mit dem überzeugendsten Zahlenmaterial 
belegt werden, daß im Grunde die Grenzen für Fleisch 
gar nicht gesperrt seien, weil ja die Nachbarländer, 
Österreich und Rußland, noch nicht einmal ihr er 
laubtes Kontingent zu uns herübersenden,- es mag nach 
gewiesen werden, daß es sich bei der gegenwärtigen 
Teurung um eine Weltkonjunktur handle,- das Gefühl, 
daß die Grenzen gesperrt seien, genügt vollständig, um 
einen anderen Preisstand hervorzurufen als den, den 
wir haben würden, wenn es nicht vorhanden wäre. 
Ls liegt nicht so, daß die Konsumenten, die doch 
die Leidtragenden sind, nun freiwillig höhere Preise 
zahlten. Das Hauptmoment liegt in der Stärkung der 
Hausse-Spekulation, wer waren zu verkaufen hat, 
wird naturgemäß eine andere Haltung annehmen, wenn 
das allgemeine Gefühl vorherrscht, daß ihm von außen 
keine Konkurrenz gemacht werden kann, als wenn er 
weiß, die Grenzen sind offen, und aus irgend einem 
Winkel der Erde kann plötzlich ein so starkes Angebot 
auftauchen, daß er mit seinen teuren Vorräten sitzen 
bleibt. Venn der ungehinderte Handel weiß mit un 
glaublicher Schnelligkeit auszufinden, wohin es sich
	        
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