1. Kapitel
Wir wissen, was Rdam Smith, Stuart Will, Mal
thus, Rodbertus, Ricardo, Carey, Marx, Henry George
u. a. lehren, aber eine allgemeingültige Erkennt
nis hat die Welt daraus noch nicht zu gewinnen ver
mocht. — 3a, wie sehr unser nationalökonomisches
wissen noch in den Kinderschuhen steckt, beweist, daß
wir das Tatsachenmaterial, das uns durch das Studium
der Geschichte und der Statistik vorliegt, noch nicht ein
mal nach einer einheitlichen Ruffassung zu lesen ver
stehen. Ich erinnere an die Import- und Lxportzahlen
der Handelsstatistik, während die einen den wachsen
den Überschuß der Importziffern als ein Zeichen wirt
schaftlichen Rufschwungs ansehen, erblicken andere darin
ein Symptom des Niedergangs. Wan denke sich: zwei
Weteorologen ständen vor einem Barometer und wä
ren sich noch nicht einig darüber, ob sein Steigen gut
oder schlecht Wetter, erhöhten oder verminderten Luft
druck, bedeutet 1
Oder man vergegenwärtige sich den Zustand einer
„Wissenschaft", in dem die Gelehrten sich noch nicht
einig darüber sind, was in einem Lande, vom rein
volkswirtschaftlichen Standpunkte aus, vorteilhafter ist,
die Geburt eines Menschen oder die eines Ferkels.
Das Schwein bereichert das Nationalvermögen, im
Menschen wird ein neuer Lohndrücker geboren. Das
ist die Konsequenz der Lehre des Malthus, die zur
ewigen Schmach unserer zünftigen Nationalökonomie
jahrzehntelang ihre Rnschauung beherrscht hat und
zum Teil noch beherrscht.
Das ist in der Tat eine „dismal science", eine
„trübselige" Wissenschaft, und bei diesem Chaos unter
den führenden Köpfen soll nun das Laienelement kraft
seines Wahlrechtes über gesetzgeberische Maßregeln ent-