Full text: Laienbrevier der National-Ökonomie

Schlußfolgerungen 
Halle geben, wo selbst die Erkenntnis einer Schädigung 
der eigenen Wirtschaft ein Volk nicht von der Ein 
führung eines Zolles abhalten darf, nämlich dann, wenn 
dadurch eine noch größere Schädigung durch einen bös 
willigen Nachbarn vermieden werden kann, silfo in 
den internationalen Beziehungen ist der Schutzzoll eine 
Dpportunitäts- und keine Prinzipienfrage. 
Ñber freilich ist die Erkenntnis der Opportuni 
tät wieder abhängig von der richtigen Ñuffassung wirt 
schaftlicher Zusammenhänge, wer z. B. die Import 
uni) Exportzahlen verkehrt liest, wird zu einem andern 
Schluß ln bezug auf die Opportunität eines Zollkrieges 
kommen als der, der sie richtig versteht, und wer 
den internationalen Warenaustausch in unserem Sinne 
für beiderseitig nutzbringend hält, wird anders handeln 
als der, der darin einen einseitigen Vorteil derer er 
blickt, die mit uns tauschen wollen. 
Gar zu leicht siegt hier der kleinbürgerliche Be 
griff, daß es eine Ersparnis sei, wenn wir vom Ñus- 
lande möglichst wenig zu uns hereinführen. Wan argu 
mentiert: wenn wir von Brasilien für 100 Millionen 
klkark Kaffee einführen und könnten durch Verzicht auf 
den Kaffee diese Ziffer auf 0 Herabdrücken, während 
unser Export nach Brasilien unverändert bliebe, so 
müßte doch Deutschland jedes Jahr 100 Millionen 
klkark sparen. 
hierzu sei zunächst bemerkt, daß es nicht die Ñuf- 
gabe eines Volkes ist, zu sparen, sondern zu leben, 
und wenn der Genuß von Kaffee oder eines ähnlichen, 
Nerven anregenden Getränkes zur mittleren Lebens 
haltung gehört, dann wird man aller Wahrscheinlich 
keit nach in anderen Getränken, wie Kakao, Tee, usw. 
Ersatz finden, wenn man auf den Kaffee verzichtet. 
Po hl man, Laienbrevier. 193 13
	        
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