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8. Kapitel
In diesem Falle wäre also von einer Ersparnis gar
keine Rede, und die gesundheitliche Seite der Frage,
ob es besser sei, Kakao anstatt Kaffee zu trinken, in
teressiert uns nicht volkswirtschaftlich oder höchstens
sehr indirekt. Zollte man aber wirklich auf alle der
artigen Getränke in hohe von 100 Millionen ver
zichten, so würde das die Herunterstimmung der mitt
leren Lebenshaltung bedeuten, zu der keinerlei Ver
anlassung vorliegt, so lange eben die 100 Millionen
aus dem jährlichen Ñrbeitsertrage eingetauscht werden.
Können wir das nicht mehr, reicht unser Export nicht
aus, um diese Genußmittel zu uns herüberzuziehen,
dann kommt die Einschränkung ganz von selbst.
Run ist aber ein Zustand, daß wir einem Lande
unsere Produkte senden, dagegen die Haupttauschware,
die es hat, unsererseits ablehnen, auf die Dauer über
haupt undenkbar. Das verschwinden eines Rbsahmark-
tes, wie des deutschen, würde die Kaufkraft Brasiliens
so schwächen, daß der Export aus unseren Häfen dahin
schon aus diesem Grunde bald auf einen ganz minimalen
Rest herabsinken würde, und selbst dieser würde noch
durch den Frachtvorteil verschwinden, den andere Ex
portländer über uns haben würden.
Unseren Schiffen nach Brasilien würde die Rück
fracht fehlen, die unsere Reeder auf die ñusfracht
schlagen müßten, und dieser Unterschied würde genügen,
um einen großen Teil des Handels von unseren Häfen
abzulenken.
Nichts ist verkehrter im Wirtschaftsleben, als Eng
herzigkeit und kleinbürgerliche Ruffassung. Leben und
lebenlassen ist erste Bedingung, und man bedenke,
daß Leute, die nichts haben, die nichts verdienen, uns
auch nichts abkaufen können. Es hat eine Zeit ge-