Full text : Laienbrevier der National-Ökonomie

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8.  Kapitel

Die  Erkenntnis,  was  hier  Mißbrauch  ist,  wird  also  aus
dem  Grunde  aller  Reformarbeit  stehen,  und  dasjenige
Volk,  welches  den  stärksten  Begriff  hiervon  hat,  wird
aus  der  Stufe  des  Wohlergehens  am  höchsten  stehen.
So  muß  im  öffentlichen  Bewußtsein  endlich  einmal
der  Wahn  beseitigt  werden,  daß  hohe  Bodenpreise  Volksreichtum ­
  bedeuten.  Sofern  sie,  wie  bei  uns,  künstlich
gesteigert  sind,  bedeuten  sie  sogar  eine  schwere  Belastung ­
  des  Erwerbslebens.
Der  nackte  Grund  und  Boden  Berlins,  also  ohne
Gebäude,  wird  heute  auf  ca.  6  Milliarden  Mark  geschätzt. ­
  Das  bedeutet,  daß  alle,  die  in  Berlin  zu  leben
gezwungen  sind,  die  dort  geistig  und  körperlich  arbeiten,
jährlich  in  ihrer  Miete  für  das  Recht  der  Bodennutzung
allein  240  Millionen  Mark  bezahlen  müssen.  Angenommen, ­
  der  Grund  und  Boden  Berlins  sei  nur  600
Millionen  wert,  also  den  zehnten  Teil,  so  wäre  das
doch  für  die  Bewohner  ein  ungeheurer  Vorteil,  denn
sie  würden  dann  jährlich  statt  240  Millionen,  nur  24  Millionen ­
  aufzubringen  haben,  also  216,Millic>nen  sparen.
hierauf  werden  viele  geneigt  sein  zu  antworten,
daß  es  müßig  sei,  solche  Hypothesen  aufzustellen,  denn
das  sei  eine  Unmöglichkeit,  der  preis  des  Grund  und
Bodens  stehe  eben  im  Verhältnis  zur  Bevölkerungszahl, ­
  und  die  6  Milliarden  entsprächen  eben  diesem
Verhältnis.
Die  Antwort  auf  diesen  Einwand  gibt  London,
wenn  es  richtig  wäre,  daß  sich  ohne  weiteres  der  Bodenpreis ­
  nach  der  Bevolkerungsziffer  richtet,  dann  müßte
dieser  preis  in  Groß-London,  das  heute  7  Millionen
Seelen  zählt,  doppelt  so  hoch  sein  als  der  Berliner,
da  Groß-Berlin  auf  ca.  3  Millionen  geschätzt  werden
kann,  wir  sehen  aber  das  Umgekehrte.  Der  Grund-
            
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