Full text : Laienbrevier der National-Ökonomie

Einleitung

Nationalökonomie  ihre  Beobachtungen  fast  ausschließlich ­
  an  dem  ungeheuer  komplizierten  Organismus  unserer ­
  modernen  Entwickelung  anstellt  und  aus  verhältnismäßig ­
  kurzen  Epochen  und  engen  Forschungsgebieten ­
  die  schwerwiegendsten  Schlüsse  zieht.  So  spie-9eln
  die  Marxistischen  Deduktionen,  mit  Ausnahme  der
großen  historischen  Überblicke,  nur  das  wieder,  was
eine  kurze  Epoche  der  englischen  industriellen  Entwickelung ­
  zu  lehren  schien.  Hätte  Marx  zwanzig  Jahre
länger  gelebt,  und  zwar  in  Deutschland  oder  Amerika
statt  in  England,  er  hätte  wahrscheinlich  viel  „Grundlegendes" ­
  in  seinen  Schriften  selbst  wieder  hinauskorrigiert. ­

Mir  halten  es  ferner  für  einen  verhängnisvollen
Fehler,  in  den  auch  Marx  verfallen  ist,  daß  unsere
kapitalistische  Entwickelung  als  eine  ganz  besondere  Erscheinung ­
  hingestellt  wird,  die  ihre  eigenen  Gesetze  habe
und  auf  die  die  Prinzipien  der  einfachen  Wirtschaftsformen ­
  keine  Anwendung  finden  können.  Dabei  ist
der  Kapitalismus  doch  im  Grunde  weiter  nichts,  wie
das  Produkt  der  fortgesetzten  Arbeitsteilung, ­
  bei  der  sich  diejenige  Klasse  der  Bevölkerung,
die  zufällig  die  politische  Macht  in  fänden  hat,  den
angenehmsten  Teil,  die  Verfügung  über  das  Kapital,
Zu  sichern  gewußt  hat.
Natürlich,  ein  Kind  muß  anders  ernährt  werden
uls  ein  Mann,  und  somit  kann  man  wohl  von  gesonderten ­
  Epochen  und  ihren  Gesetzen  reden,  aber,  was
uns  zunächst  zu  wissen  not  tut,  wenn  wir  etwas
Grundlegendes  erörtern  wollen,  das  ist,  nach  welchen ­
  Gesetzen  sich  überhaupt  ein  Organismus  bildet
und  entwickelt,  vom  Kinde  bis  zum  Manne.  Im
Wirtschaftsleben  gibt  es  ebensowenig  plötzliche  Über-
            
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