206
8. Kapitel
Der Tausch von Zachgütern gegen Rechte ist dort
daher sehr eingeschränkt, und wo er stattfindet, ver»
hältnismäßig gesund, weil in der großen Mehrzahl der
Fälle die Rechte zeitlich begrenzt sind.
Grund und Roden zu Wohnzwecken auf ewige Zeit
zu erwerben, wie bei uns, ist dort verhältnismäßig
selten möglich. Im billigen Grund und Roden und
seiner geringen Releihbarkeit liegt ein Teil der eng
lischen Finanzkraft. Die Ersparnisse des deutschen Volkes
werden zum größten Teil absorbiert durch die Milliarden
von Pfandbriefen und Hypotheken, denen unsere hohen
Ladenpreise als Deckung dienen. Diese Dinge spielen
in England nur eine untergeordnete Rolle, Pfandbriefe
gibt es überhaupt nicht- daher wird das englische
Kapital genötigt, sich den Staatsanleihen, der Industrie
und überseeischen Unternehmungen zuzuwenden,- alles
Dinge, die viel nützlicher sind, als dem eigenen Volke
das Nutzungsrecht an seinem Grund und Roden zu ver
teuern.
hierüber sollte weit mehr nachgedacht werden, als
es geschieht,- denn es ist doch nicht einerlei, ob sich die
Rapitalkraft eines Volkes erschöpft im Erwerb von
Rechten aus dem Arbeitsertrag der eigenen Volks
genossen, oder ob sie werbend in die Welt hinausgeht
und sich Rechte aus dem Arbeitsgebiete anderer
Völker zu sichern sucht.
Es ist also, wie wir aus obigem ersehen, verkehrt,
kritiklos jede Rapitalbildung als wünschenswert zu be
zeichnen. Ñber was soll der Staat machen, soll er
die Vermögensbildung aus Rechten überhaupt ver
bieten? Ganz gewiß nicht, das kann er überhaupt gar
nicht, denn der Tausch von Sachen gegen Rechte ist
ein integrierender Teil unseres Wirtschaftslebens. Zur