Full text: Laienbrevier der National-Ökonomie

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2. Kapitel 
faulen, denn er wird selbst dort darben, wo die Natur 
reichlich zu spenden gewillt ist. Der russische Lauer 
hungert aus demselben Lande, auf dem sein Nachbar, 
der deutsche Kolonist, reiche Crnte zieht. 
Gewiß, es lassen sich Fälle denken, daß Völker' 
oder Stämme durch ein Mißverhältnis der vorhandenen 
Menschen zu den Subsistenzmitteln zugrunde gehen, 
aber dann liegt es daran, daß sie entweder nicht 
mehr die politische Kraft haben, sich einen besseren 
Platz an der Sonne zu sichern, oder daß sie nicht 
intelligent genug sind, die eigenen Hilfsquellen aus 
zunutzen oder sich die außerhalb ihrer Grenzen lie 
genden nutzbar zu machen. 
Für die Menschheit und die bewohnbare Erde 
im ganzen bleibt die Malthuslehre praktisch wie theo 
retisch genommen ein Unsinn. 
wer sich der Iahre vor den großen deutschen 
Kriegen entsinnen kann, wird wissen, mit welchem 
Pessimismus damals gerade die Gebildetsten der Na 
tion unter dem Banne des Malthusianismus in die 
wirtschaftliche Zukunft ihres Vaterlandes schauten. Das 
stehende Argument damals war: Deutschland ist ein 
armes Land, es kann seine 38 Millionen Menschen 
nicht mehr ernähren. Gleichgültig, ja oft mit einer 
gewissen Befriedigung, sah man die Hunderttausende 
übers Meer ziehen. Da gab es doch Luft für die Zurück 
bleibenden. Man sah das Volksvermögen als eine 
gegebene Größe an und war der Meinung, je weniger 
Menschen sich in dieses vermögen zu teilen hätten, 
um so wohlhabender werde der einzelne, eine An 
schauung, die heute noch die öffentliche Meinung Frank 
reichs beherrscht. Man übertrug kleinbürgerliche Be 
griffe auf die Volkswirtschaft, ein Fehler, der immer
	        
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