Full text : Laienbrevier der National-Ökonomie

2.  Kapitel

Mühewaltung.  Der  Wert  des  Diamanten  hängt  von  der
Summe  der  Arbeitsleistung  ab,  der  sich  andere  zu
meinen  Gunsten  im  Austausch  dagegen  unterziehen
wollen,  oder,  was  auf  dasselbe  hinausläuft,  sie  geben
mir  Dinge  im  Austausch  gegen  meinen  Diamanten,
für  die  andere  mir  die  Mühewaltung  abzunehmen
gewillt  sind,  die  ich  sonst  selbst  zur  Befriedigung  meiner
Bedürfnisse  aufwenden  müßte.  Was  ohne  Mühe  und
Arbeit  erreichbar  ist,  hat  keinen  Wert!  Lin  Gegenstand,
in  dessen  Besitz  zu  gelangen  sich  niemand  einer  Anstrengung ­
  unterziehen  würde,  hat  gleichfalls  keinen
wert.  Aber  alles,  was  einen  wert  hat,  hat  ihn  nur
dadurch,  und  insoweit,  als  durch  den  Austausch,  ohne
Anstrengung  seitens  des  Eigentümers,  ein  Wunsch  befriedigt ­
  wird,  der  sonst  eine  Mühewaltung  erfordern
würde.
In  anderen  Worten:  Der  Wert  einer  Zache
ist  die  Summe  von  Arbeit,  die  der  Besitz  dem
Besitzer  zu  ersparen  imstande  ist."
In  welchen  Nebel  von  Sophistereien  und  ausgeklügelten ­
  Spitzfindigkeiten  gerät  man  bei  der  Theorie
von  der  Wertbildung,  durch  die  in  eine  Sache  hineingelegte ­
  sogenannte  Normalarbeitsleistung  sowie  es  sich
um  Ausnahmefälle  handelte,  wie  bei  Kunstwerken,  Naritäten
  usw.  Ls  ist  ja  klar,  daß  man  den  wert  eines
echten  Rembrandt  oder  einer  Stradivariusgeige  nicht
nach  der  darauf  verwandten  Normalarbeitsleistung  bemessen ­
  kann.  Schon  bei  Erzeugnissen  des  Gewerbefleißes,
die  höchste  Intelligenz  voraussetzen,  u.  dergl.,  gerät
man  in  schwere  Bedrängnis.  Da  müssen  denn,  wo
Begriffe  fehlen,  werte  helfen.
Man  konstruiert  Seltenheitswerte,  Runstwerte,
Liebhaberwerte  usw.  als  ob  man  Sinn  in  eine  Sache
            
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