48
3. Kapitel
harmlose Geschöpfe gegen eine Art, die sich einfallen
ließe, bloß um körperlich fleißig zu sein, um von den
Gelehrten „Arbeiter" genannt werden zu können, die
Honigzellen so zu „verbessern", daß der Honig her
ausflösse.
In bezug auf Bienen und Drohnen in der mensch
lichen Gesellschaft hat selbst ein Mann wie Bismarck
die eigentümlichsten Anschauungen geäußert. In seinen
Augen waren nur die Landleute, Unternehmer, Arbeiter,
Handwerker „Bienen", alle anderen Stände, Beamte,
Arzte, Lehrer, Kaufleute usw., unproduktive Existenzen,'
und doch ist nichts sonnenklarer, als daß ein Arzt, der
seinen Beruf ausfüllt, d. h. der die ihm anvertrau
ten Kranken wirklich heilt, weit produktiver ist, als
ein Landmann, der verkehrt wirtschaftet, und wenn
letzterer auch von morgens früh bis abends spät hinter
dem Pfluge ginge.
Angenommen, ein Handwerker, der täglich ein paar
Schuhe herzustellen imstande ist, erkrankte, seine Krank
heit würde ohne ärztliche Hilfe 30 Gage dauern, mit
ärztlicher nur 10, dann hat der Arzt auf dem Um
wege durch den Schuster 20 paar Schuhe hergestellt,
und das volkswirtschaftliche Resultat ist genau so gut,
als ob er sie selbst fabriziert hätte.
Der Arzt ist aber noch in einem weiteren Sinne
produktiv, nämlich indem er die Daseinsdauer des
höchsten Wertobjektes verlängert, das es gibt, nämlich
des Menschen.
Lin Teil unserer Uationalökonomen nennt den Ar
beiter, der einen alten Dampfkessel ausflickt, so daß
er noch ein paar Jahre gebrauchsfähig bleibt, „pro
duktiv", den Arzt, der einem Menschen sein Leben,