84
5. Kapitel
Ich habe mit Absicht diese extremen Fälle ge
wählt, um die Dehnbarkeit des Begriffes Handelskapr-
tal zu beleuchten, eine Dehnbarkeit, die soweit geht,
daß in vielen Fällen Kapital van Kredit gar mcht
zu unterscheiden ist. ,
Hier spielt das subjektive Gefühl eme groß
Rolle, dem überhaupt noch ein besonderes Kapitel
gewidmet werden soll, weil es im Wirtschaft e en
bei Behandlung nationalökonomischer Probleme, unserer
Ansicht nach, lange nicht genug mit in Rechnung gestellt
Haben wir nun einen Blick in das Wesen des
Handelskapitals gewonnen, dann wollen wir an der
Hand unseres alten Beispiels vom Weber und Zchmie
einmal seine Funktion beleuchten.
Zunächst ist ohne weiteres klar, daß das Vor
handensein eines Handelskapitals für seine Besitzer von
großem Rutzen sein muß, denn sonst würden sie es
nicht anwenden. Was uns aber weit mehr interessiert,
ist der volkswirtschaftliche Rutzen, den es da
durch stiftet, daß es eine notwendige Funktion im
Güterverteilungsprozeß erfüllt und zwar in zweifacher
Hinsicht, in räumlicher und zeitlicher.
Klit der Entfernung, die bei Gütern zwischen dem
Cntstehungs- und dem Konsumorte liegt, wächst die
Gefahr, daß etwas beim Austausche verloren geht,
nicht nur durch force majeure, sondern es kann eben
sogut durch menschliche Unehrlichkeit geschehen, die
wir nun einmal als vorhanden annehmen müssen. Wenn
in unserem Falle Schmied und Weber dem Händler
Waren anvertrauen, bis er ihnen den Gegenwert nach
längerer Fahrt bringt, werden sie häufig Verluste er-