— 13 1 —
Erst unlängst noch verzichtete ein glänzender Beamter
aus dem belgischen Arbeitsministerium auf seinen Posten,
um an die Spitze einer grossen Handelsgesellschaft zu
treten.
Wenn trotzdem dem Beamtenkörper neben tadelns
werten und lästigen Kostgängern, eine grosse Zahl ener
gischer und tüchtiger Männer angehört, so hat das seinen
Grund vorzugsweise in dem Ueberangebot der geistigen
Arbeit. Aber es bleibt darum doch nicht minder wahr,
dass die Staatsindustrie in einer socialen Ordnung wie
der heutigen, in der das Geld fast den einzigen Anreiz
zur Arbeit und die einzige Entschädigung für die Arbeit
bildet, hervorragende Leiter nur dann haben kann, wenn
sie ihnen dieselben Gehälter bezahlt, wie die Privatindustrie.
Was die Handarbeiter und die kleinen Beamten an
langt, so werden sie zwar oft, aber doch nicht immer
in den Staatsbetrieben besser bezahlt als in den Privat
betrieben : der belgische Staat zahlt z. B. seine Maschinisten
sehr viel schlechter, als die grossen französischen Eisen
bahngesellschaften.
Trotzdem ist nicht zweifelhaft, dass in einem demo
kratischen Staat, in einem Staat mit parlamentarischer
Regierung, wo die Masse des Volkes an den Wahlen teil
nimmt, die Leute immer noch leichter bei einer beab
sichtigten Verbesserung ihrer Lage zum Ziele gelangen,
wenn es sich um Staatsbetriebe handelt als in Privat
betrieben, weil der Staat der öffentlichen Meinung viel
mehr Rechnung tragen muss, als die Gesellschaften, die
der öffentlichen Controle so gut wie ganz entzogen sind.
Wenn übrigens die Nominallöhne des Personals in
Staatsbetrieben niedriger sind, als die in privaten Betrieben
gezahlten, so gewinnen doch die Arbeiter an Sicherheit,
was sie an Geld weniger erhalten. Sie begnügen sich mit
weniger Lohn aus demselben Grunde, aus dem sich die
Besitzer von Staatspapieren mit einer niedrigeren Rente
begnügen. Die Sicherheit und Dauer ihres Arbeitsverhält-
9*