gemeinsames Leben, das so lange erstickt und unterdrückt
worden ist, wird wachsen und sich von neuem ausdehnen,
aber langsam. Man muss also zugeben, dass man durch
die Zwischenstationen des Collectivismus hindurchgehen
muss, um den neuen Ideen und den neuen Lebensgewohn
heiten Zeit zur Entwickelung zu lassen. Formeln, wie die
von der Verstaatlichung des Grund und Bodens und aller
Productionsmittel, so vage sie auch sein mögen und so
unmöglich es scheinen mag, sie mit aller Schärfe an
zuwenden, werden doch zur Entfaltung dieses Gefühls
beitragen, ihre allmähliche Verwirklichung wird den Men
schen an gemeinsame Arbeit und an die Idee des ge
meinsamen Werkes gewöhnen.“*) So verschwindet also
der scheinbare Gegensatz zwischen den Lehren der ver
schiedenen socialistischen Schulen, sobald man annimmt,
dass sie verschiedene Stadien der socialen Entwickelung
ausdrücken.
Unser aller Ideal, unser Endziel ist der Communismus,
und schon jetzt finden wir ihn teilweise verwirklicht bei
einer immer wachsenden Zahl von öffentlichen Diensten.
Das ist z. B. der Fall beim unentgeltlichen Unterricht,
bei der Ernährung der Schulkinder in den von socialisti
schen Gemeindevertretungen geleiteten Schulen (Schul
cantinen), bei der Anerkennung der Existenzgarantieen
für Kranke, Greise und Invalide, die wir wenigstens in
einzelnen Ländern finden.
Vielleicht kommt die Zeit, wo die Fortschritte der
Moral und der allgemeinen Solidarität, die Ueberfülle
der Production, die Missstände und Schwierigkeiten jeder
anderen Art der Verteilung der Reichtümer eine all
gemeinere Anwendung des communistischen Princips zur
Folge haben werden.
Unter den heutigen Zuständen müssen wir aber mit
*) E. Carpenter: Etapes vers la liberté. L’Humanité Nouvelle,
Januar 1889.)