Preisbildung des Holzes. 23
ohne die Möglichkeit der Holzzufuhr von außen, eine bestimmte Holzmenge
erzeugt wird. Wir wollen ferner von den durch Absatzlage und Qualität
begründeten Preisunterschieden absehen und uns das produzierte Holz
als eine einheitliche Masse mit einheitlichem Preise vorstellen. Nehmen
wir endlich an, daß die Menge des erzeugten Holzes geringer ist als die,
deren Verwendung in der isolierten Volkswirtschaft möglich ist, so wird
sich die Preisbildung des Holzes nach den unter den gleichen Voraus-
sezungen für die Preisbildung a ll e r Waren maßgebenden Gessetzen
vollziehen. Die vorhandene Holzmenge wird nur in denjenigen Ver-
wendungsarten Unterkunft finden, in denen die Verwendung mit dem
größten Nutzen geschieht, und die daher in der Lage sind, die höchsten
Preise für das Holz zu bieten. Bezeichnen wir den Nutzen, den das Holz
in der wenigst vorteilhaften noch zum Kauf kommenden Verwendung
gewährt, als den Gr enz nutz en, so wird dur < d en Grenz -
nutzen der Preis der gefamten. käuflichen Holz-
menge bestimmt, da auch die vorteilhafteren Verwendungsarten
keinen Anlaß haben, mehr zu bieten als die wenigst vorteilhafte noch
gerade zum Kauf kommende Verwendung:). G u st a v C a ss e l, der den
Begriff des Grenznutzens für überflüssig hält?), setzt an seine Stelle als
Preisregulator das „Pr in zip d er Knappheit “s). „Das Prinzip
der Knappheit besteht . . . für die Tauschwirtschaft in der Notwendigkeit,
die Konsumption durch den Druck der Preisbildung in Üübereinstimmung
mit einer knappen Güterversorgung zu bringen.“ Lie f ma nn !), der
ebenfalls den Begriff des Grenznutzens ablehnt, da er unter anderem
eine unzulässige Zusammenziehung der Begriffe Nutzen und Kosten enthalte,
wendet den Grenzgedanken wie folgt an: Diejenigen, die bei der Beschaffung
des betreffenden Gutes nicht mehr ihren Gr e nz er t r a g finden, werden
vom Kauf ausgeschlossen. Die genannten Autoren haben offenbar den
gleichen wirtschaftlichen Vorgang im Auge, daß der Preis einer nicht
unbeschränkt reproduziblen Ware, deren Verwendungsmöglichkeit das
Angebot übersteigt, durch die wenigst vorteilhafte noch verwirklichte
Verwendung bestimmt wird, während alle noch weniger vorteilhaften
Verwendungsarten vom Kauf ausgeschlossen werden.
!) Vgl. hierzu v. Philippovich, Grundriß der Politischen Ökonomie, I. Bd.,
18. Aufl., Tübingen 1923, S. 248 und 257 f;
?) Gustav Cassel, I. c., S. 68.
3) Daselbst, S. 62.
) Robert Liefmann, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, I. Bd., 3. Aufl.,
Stuttgart und Berlin 1923, S. 248 f. und S. 636 ff.