wilden Interessenkämpfen und Zänkereien um die Beute
endlich die Einheit der Herzen und Seelen kennen, ge
messen lernen.
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Zeiten des Uebergangs, der Kritik, der Revolutio-
nierung, wie die unsere, können nur gequälte und unvoll
kommene Werke zu Tage fördern. Was war, ist tot. Was
kommen wird, lebt noch nicht. Traum und Wirklichkeit
sind nicht zu vereinen. Die den Baugrund zu Neuem legen,,
haben keine Zpit, an anderes zu denken; und die Künst
ler, die zu einem noch unterjochten Volke reden, warten
nur allzu oft vergebens auf einen Widerhall ihrer rufenden
Stimme. Wenn einst aber das befreite Proletariat ein
wahrhaft menschenwürdiges Leben führen, wenn alle Ar
beiter geistig und seelisch so cultiviert sein werden, dass
sie Kunst künstlerisch empfinden können, wenn nach der
Arbeit alle die Musse haben, deren sociale Notwendigkeit
auch Fouillée anerkennt, dann — und nur dann — wird
das ästhetische Vergnügen nicht mehr ein Luxusgenuss
sein, sondern ein Bedürfnis der Gesamtheit werden, dann
erst — und nur dann — werden grosse Werke von voll
endeter Schönheit entstehen aus der fruchtbaren Ver
bindung „des schöpferischen Individuums, das sicher ist,
verstanden zu werden, und der lebensvollen Gesamtheit,
die sicher ist, ihn zu verstehen.“
Was wäre denn, nach dem herrlichen Wort der George
Sand, die Kunst ohne die Herzen und die Geister, in die
man sie pflanzt ? Eine Sonne, die kein Licht spenden,
kein Leben schaffen könnte I
Wie anders wird die Welt aussehen, wenn die Massen
ihre Augen dem Licht öffnen und selbst auf ihre be
scheidensten Arbeiten noch ein Strahl des glänzenden
Gestirns herniederleuchtet !
Man wendet allerdings dagegen ein, die ästhetische