Full text: Die Entwickelung zum Socialismus

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Entwickelung werde gehemmt werden, da die Künstler 
in einem sozialistischen Staat der Hilfsquellen beraubt 
wären, die ihnen in der Zeit des Privateigentums die 
Gunst fürstlicher oder bürgerlicher Mäcene erschloss; 
gerade von diesem Luxus der Reichen, so sagt man, 
leben sie ja. 
Und doch ist der Ein wand nur komisch. Er stammt 
von Bewunderern der bourgeoisen Gesellschaftsordnung. 
Die Bourgeoisie als aima mater der geistigen Arbeiter ! 
Muss man wirklich erst daran erinnern, zu welchen 
Mitteln die meisten Geistesarbeiter heute ihre Zuflucht 
nehmen müssen, um sich das Stück trockenen Brotes zu 
verschaffen, das sich Berlioz am Denkmal Heinrichs IV. 
mit einer Hand voll trockener Rosinen versüsste ? Schiller 
war Professor der Geschichte. Balzac bekam kaum ein 
paar lumpige tausend Francs für seine zehntausend Seiten 
füllende Comödie der Menschheit. Ehe Ludwig II. in 
Wagners Leben eingriff, war der Meister gezwungen, eine 
Begleitung „für zwei Cornets à Piston“ zur Favoritin zu 
schreiben. Beethoven schrieb am Ende seines Lebens 
an seinen Freund Ries über eine Sonate, sie sei unter 
den elendesten Verhältnissen entstanden; denn es sei 
traurig, für das liebe Brot schreiben zu müssen. „Und 
so weit bin ich nun!“ Unter den grössten Schöpfern 
verdankt die weitaus grösste Zahl derer, die nicht im 
schwärzesten Elend lebten, ihre Existenz entweder einer 
Beschäftigung, die ihrer Kunst fern lag, einem einträg 
lichen Nebenamt oder der späten Gunst des immer nach 
hinkenden Publicums. 
Nach jeder Richtung würde die collectivistische der 
heutigen Gesellschaft überlegen sein. 
Die neben ihrer Kunst einen andern Beruf ausüben 
müssten, hätten die ausgedehnteste Musse. Die jetzt für 
irgend einen bürgerlichen oder königlichen Mäcen ar 
beiten, würden dann — wie einst Rembrandt und Hals — 
für Gemeinschaften, Gruppen, öffentliche Anstalten thätig
	        
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