Raum ein, ebenso wie der Milchwirtschaft und der Auf
zucht von Fettvieh. Die Weide verwandelt sich in künst
liche Wiesen, das Brachland verschwindet, Drainagen und
Wasserleitungen berieseln den Boden.
Nur muss man, um so die Landwirtschaft zu
industrialisieren, Geld haben, Capitalien, und die meisten
Landwirte haben das nicht. Deshalb sind viele von ihnen
gezwungen, Schulden zu machen, drückende Lasten auf
zunehmen, ihr Gut mit Hypotheken zu beladen oder über
haupt auf eigenen Besitz zu verzichten und den Pächter
zu spielen.
Diese Gründe erklären zum guten Teil den bemer
kenswerten Rückgang des bäuerlichen Eigentums in Bel
gien seit der Agrarkrise und besonders in dem Zeitraum
zwischen den Gewerbezählungen von 1880—1895.
Im Jahre 1880 wurden von 100 Hectar Ackerland
66 in Pacht gegen 34 im eigenen Besitz bewirtschaftet.
Im Jahre 1895 betrug die Eigenwirtschaft nur noch
31 gegen 69.*)
Und dazu muss! besonders bemerkt werden, dass sich
der Eigenbesitz nur in den ärmsten Gegenden seine Bedeu
tung bewahrt, so in dem Heideland der Campine, auf den
*) In Deutschland sind von 5 276 344 landwirtschaftlichen
Betrieben 15,70/0 Pachtungen, 63,60/0 Eigenwirtschaft, 20,70/0
teils Pachtung, teils Eigenwirtschaft. Die Pachtungen nehmen
nur 14,68 0/0 der landwirtschaftlichen Fläche ein. Aber „neuer
dings scheint das Verhältnis der Pachtungen an den Selbst
bewirtschaftungen zu steigen.“ (Blondel: Etudes sur le?
populations rurales de l’Allemagne, Paris, Larose, 1897). — In
Frankreich sind nach der Enquête von 1892 von 5618317 land
wirtschaftlichen Betrieben 4190725 in directer, 1 437 522 in in-
directer Bewirtschaftung. Das allgemeine Verhältnis beider Be
wirtschaftungsarten ist ungefähr wie 3:1. — In England haben
wir nach Schaeffle (Kern- und Zeitfragen, Berlin 1895, pag. 193)
sechsmal so viel Pacht- als Eigenwirtschaften. — Demnach
ist das Verhältnis der Eigenwirtschaften zu den Pachtwirt
schaften in Deutschland und Frankreich, wo die ackerbauende
Bevölkerung noch die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmacht,
viel grösser, als in England und Belgien, wo die industrielle
und commercielle Bevölkerung die grosse Mehrheit bildet.