-
- 76 -
I. Die Cartelle.
Das Car tell ist eine freie und vertragliche Verbindung
zwischen Unternehmern desselben Industriezweiges zum
Zwecke der Monopolisierung des gemeinschaftlichen
Marktes, bei der die einzelnen Unternehmungen eine mehr
oder weniger grosse Selbständigkeit bewahren.
Man kann von den einfachsten bis zu den compli-
ciertesten vier Arten von Cartelle unterscheiden : Preis
cartelle, Productionscartelle, Absatzcartelle und Verkaufs
cartelle.
a) Die Preiscartelle.
Das Preiseartell ist die einfachste Form: es ist das
Bündnis oder das Abkommen, durch das sich eine gewisse
Anzahl oder die Gesamtheit der Industriellen eines Pro-
ductionszweiges zusammenthun, um entweder zu einem
gleichen Preise die Rohproducte einzukaufen oder zu
einem verabredeten Preise ihre Ware abzusetzen.
Als Beispiel für das Einkauf car teil erinnern wir an
die Zuckerfabricanten (in Belgien), die den Landwirten
einen Einheitspreis! für die Zuckerrüben vorschreiben.
Was die Verkauf scarteile anlangt, so haben sie sich
seit einigen Jahren sehr vermehrt. Besonders für die
Massengüter, deren Transport kostspielig ist und die des
halb ausserhalb eines bestimmten Gebietes nicht mehr
mit Vorteil verkauft werden können. Die Producenten
haben den Vorteil, dass' sie ihre Preise heraufsetzen können,
ohne eine wirksame Concurrenz durch das Dazwischen
treten weiter entfernt wohnender Industriellen fürchten zu
müssen.
Jedermann kennt z. B. die Coaks- und Kohlencartelle,
die heute in allen Ländern existieren. In Belgien besteht
seit einer langen Reihe von Jahren bereits' ein Abkommen
über die Preise der Hausbrandkohle. Auch für den Ver
kauf der Fettkohle — des Schwarzbrotes der Industrie
— haben die Kohlenbaugesellschaften unlängst Syndicate