Full text : Der gesetzgeberische Ausbau des Deutschen Reiches und seine Wirtschaftlichkeitspolitik

I.  Zoll-  und  Handelspolitik.

27

3  nt  Sciare  1861  begannen  bte  Verhandlungen  über  einen  neuen  Handels-»etttag
  gmijcben  bem  godnetetn  unb  81011^0(0^.  ^)ie  in  biefen  æet^anbínngen
enthaltene  wirtschaftspolitische  Annäherung  Preußens  an  Frankreich  von  1864  war
bet  ÄnSbtnd  bet  fteibônbíet#en,  abet  a#  bet  anti=ö^^ettei^^if^^en  Gttömung.  @t
flelíte  M  in  einen  boppeiten  @egenfab,  nömlid)  gn  bem  0anbebßoetttag  nom  ^te
1853  mit  Oeftetteicb,  bet  eine  Zünftige  BoGeinißnnß  in  9lu§^^^^t  genommen  i,atte  nnb
5n  bet  1862  in  bet  SKotiibiü  beginnenben  fptnngmeifen  @^0^1^  bet  ametitanifd)en
@^^1^30^6.  3m  Reime  lag  in  biefcn  ptenßif^^^tangö^^f^^cn  %etbanbïnngcn  bet
Austrag  bes  inneren  politischen  Gegensatzes  zwischen  Preußen  nnb  Oesterreich  bet
Sc^titt  gut  politischen  ^n§einanbetfe^^unß  beibet  mäd)te  nnb  gut  Einigung  sentid),
íanb§  enthalten.  9Inf  fübbentfchet  (Seite  übetmogen  bte  Bebenfen  gegen  ba§  nene
Freihandelssystem  nnb  bte  Sympathien  für  eine  engere  Zolleinigung  mit  Oesterreich
Sadiíid)  fanbcn  bamalß  bie  %efnt^^tnnßen  in  bet  Uebetlegenbeit  bet  enaiifrfim  '
französischen  nnb  belgischen  Industrie  ihre  Begründung.  Es  wurde  dies  beim  aneli
in  fpäteten  3a#ef)nten  tücthait§Io§  anetiannt,  aüetbingë  —  nnb  batin  lient  eiJ
Atonie  be§  6d,idfal§  -  gn  einet  ^eit,  alß  bet  ®ntnb,  bie  llebeticaenbcit
bet  französischen  und  belgischen  Industrie  nicht  mehr  existierte.  9
9W)  betn  3al)te  1866  biente  ba§  ben  Gäben'  nnb  %otben  einiaenbe  mitt,
fd)aftlid;e  %anb,  bet  ^odoetetn,  bet  and)  mäi)tenb  be§  Rtiegg  nnacfLt  weiter
ücftanben  i,alte,  fomie  ba§  #oüpatlament  nnb  bet  Boübnnbeätat  bagn  bet  nolitifdm,
einignng  beß  %eicheë  ootgnatbeiten.  linset  engeteß  %atetlanb  batte  nun  bie  ¿obc
ans  ben  Gab  gn  machen,  ben  einige  ^ahtgehnte  gnoot  8t.  Bist  einbtingíicb  nnb  nnetmüdlich
  bem  ganzen  deutschen  Volke  gepredigt  hatte,  wie  nämlich  nach  ben  Lehren
bet  Geschichte  jederzeit  bie  materielle  nnb  geistige  Wohlfahrt  eines  Volkes  im  gleichen
Verhältnis  mit  bet  Ausdehnung  seiner  politischen  Einigung  nnb  seiner  kommerziellen
Verbindungen  gewad)sen  ist.
Zu  Ansang  bet  70er  Jahre  breitete  sich,  im  direkten  Gegensatz  zu  bet  damals
freihänbletischen  Reichstagsmehrheit,  in  mandan  Industriezweigen,  namentlich  der
Baumwoll-  und  Eisenindustrie,  bie  Anschauung  aus,  baß  ihr  weiteres  Gedeihen  von
einer  Zollverschärfnng  abhänge.  Mitte  bet  70er  Jahre  trat  Fürst  Bismarck,  wie
oben  erwähnt,  an  bie  „Finanzierung",  bie  finanzielle  Selbständigmachung  des  Reiches,
anfangs  mehr  in  der  Richtung  auf  Finanzzölle  und  innere  Verbrauchssteuern,  sehr
bald  jedock)  auch  in  bet  Richtung  auf  bie  Umkehr  in  der  Zollpolitik  heran
Die  Geschichte  bet  Zoll-  nnb  damit  bet  Wirtschaftspolitik  Deutschlands  hat
zwei  Marksteine,  mit  denen  eine  Wendung  ihren  sichtbaren  Anfang  nahm,  den
preußisch-französischen  Handelsvertrag  und  Bismareks  Kundgebung  an  ben  Bundesrat
vom  15.  Dezember  1878.  Der  erstere  bezeichnete  ben  Sieg  des  liberalen  Freihandelsgebankens,
  die  letztere  die  Umkehr.  Nach  der  Gründung  des  Reichs  war  man  darin
einig,  daß  man  bie  vielen  Zolltarissätze  —  nach  englischem  Vorbild  —  allmählich
aus  einige  wenige  Massenkonsumartikel  beschränken  müsse.  „Finanzzölle  an  (Stoss,
bet  Schutzzölle"  mat  bie  Losung.
Deil  Wendepunkt  in  der  Reick)spolitik  bezeichnet  die  eben  etwähnte  Ku  ndg
  ebnn  g  vom  Dezember  1878.  In  erste  Linie  wurde  darin  programmatisck)  die
finanzielle  Reform  gestellt,  b.  i  die  Verminderung  bet  direkten  Steuerlast  durch  Vermehrung ­
  bet  aus  inbireften  Abgaben  beruhenden  Einnahmen  des  Reichs,  wozu  in
etfiet  Binie  bie  ^^#11^  bienen  foüte.  %a§  ®ntfd)eibcnbe  mat  bie  3Biebetein=
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.