7° Änderung des Wirtschaftsgeistes
Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts verschwindet die
„Grenze“, jene Linie, die das besiedelte Gebiet und das der
Kultivierung noch offen stehende voneinander schied; der
Censusbericht verzeichnet sie nicht mehr. Das Land ist fort-
gegeben, und was noch verfügbar ist, liegt im Gebirge, in
Steppe oder Wüste, ist innerhalb der Trockenregion gelegen
und kann, wenn überhaupt, nur mit Hilfe umfassender Be-
rieselungsanlagen zu Fruchtland umgestaltet werden.
Welche Verschiebung hat die Situation des ameri-
kanischen Farmers erfahren! Er ist in seinem Wirt-
schaftserfolg nicht mehr nur von seiner Tüchtigkeit ab-
hängig, sondern er ist in Abhängigkeit von Faktoren geraten,
die sich seiner Kontrolle entziehen. Er war in die Weltwirt-
schaft hineingezogen worden und ihre Konjunktur bestimmte
immer mehr den Ertrag seiner Arbeit. Aber vielleicht noch
bedeutungsvoller war es, daß er in stets wachsendem Maße
seines Besitzes beraubt wurde, indem sich große Gesellschaften
des Landes bemächtigten ; immer mehr ist die Zahl der Pächter
angeschwollen und wenig Aussicht besteht heute für sie, wieder
als freie Menschen auf ihrem Boden zu stehen. Da
die Pachtungen sich meist nur auf mündliche, von Jahr zu
Jahr laufende Verabredungen gründen, und für irgendwelche
Verbesserungen keine Entschädigungen gezahlt zu werden
pflegen 197, so hat sich auch die Bewirtschaftung des Landes
oft wesentlich verschlechtert. Schließlich bedarf man jetzt auch
eines anderen Menschentypus für den landwirtschaftlichen Be-
trieb, denn die Arbeit ist mehr und mehr mechanisiert und