99
im sozialdemokratischen Anhaltischen Blatt steht, daß es nämlich sehr ungehörig
sei, Privatverhältnisse einer Familie in die Öffentlichkeit zu ziehen. Die sozialdemokratischen
Hörer würden auch dazu geklatscht haben, denn so etwas tut die
Sozialdemokratie nie!
Für die Gewerbetreibenden ist dies alles ein Grund mehr, recht flott mit der
Gründung von Rabatt-Spar-Vereinen vorzugehen, und in ihrem Betrieb j a n i ch t
kleinlich zu sein. Es muß für jedes Geschäft Ehrensache werden, allen
Käufern Sparmarken anzubieten, ja sie ihnen aufzunötigen. Der Rabatt ist nicht
als Geschenk anzusehen, sondern als notwendiges Glied in der Berechnung. Ein
Geschäft, das sich öfter erinnern läßt, den Rabatt zu geben, muß aus dem Verein
ausgeschlossen werden.
Herr Staudinger bezeichnet „die Händler-Rabatt-Spar-Vereine als eine
Fäulniserscheinung am sozialen Körper. Alle niedrigen Triebe der Menschen--seele,
die die Dummheit, die Eitelkeit, die Gewinnsucht zu egoistischer Täuschung
und Ausbeutung der Nebenmenschen benutzen, würden hierdurch geradezu
systematisch großgezogen". Die Rabatte würden auf die Ware vorher aufgeschlagen,
bei den Konsumvereinen aber nicht. Was sind denn die Dividenden
der Konsumvereine anders, als vorher aufgeschlagene Prozente? Kann denn
überhaupt ein Geschäftsmann von etwas anderem leben als vom Profit? Es
kommt nur darauf an, daß dieser sich in passenden Grenzen bewegt.
Darauf müssen die Geschäftsleute schon wegen der Konkurrenz halten. Die
Konsumvereine haben aber oft keine Konkurrenz und daher schlagen sie tüchtig auf,
um nachher hohe Dividenden geben zu können. Wird dann 10% oder 15%
bekanntgemacht, so sind alle im Augenblick zufrieden, und niemand sieht den
Geschäftsführern auf die Finger, obwohl sie sich oft durch betrügerische Manipulationen
bereichern. Ich habe das in meinen „Notwahrheiten über Konsum-Vereine"
eingehender erörtert, und deshalb sind die Konsumvereinsvorstände sehr
wütend auf mich. Denn nichts schadet den Konsumvereinen mehr, als wenn die
Mitglieder einmal schwarz auf weiß sehen, wie es von vielen Verwaltungen getrieben
wird. Ahnen tun es ja viele Mitglieder selbst schon; denn als ich in
der den „Notwahrheiten" zugrunde liegenden sozialdemokratischen Versammlung
die Worte spracht): „Die Herren Vorstände in vielen Konsumvereinen haben
nämlich auch Taschen" usw., da blinzelten sich an den meisten Tischen die Zuhörer
an, und ich vernahm von mehreren Tischen in meiner Nähe die Worte: „Da hat
er recht," die Lagerhalter aber und Obergenossen liefen kirschrot an und wurden
ganz rabiat. Wie weit Herr Staudinger in diese Verhältnisse eingeweiht ist,
weiß ich nicht. Es mag aber zu seiner Belehrung dienen, daß in der General-1)
Seite 23.
7*