Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

Erstes  Kapitel.
Ursprung,  Entwicklung  und  Umfang  des
britischen  Sklavenhandels.

Der  eigentlichen  Untersuchung  sei  ein  kurzer  Bericht
über  den  Ursprung,  die  Entwicklung,  den  Umfang  und  über
die  Förderung  des  britischen  Sklavenhandels,  die  ihm  über
100  Jahre  lang  von  der  englischen  Regierung  zuteil  wurde,
vorausgeschickt.
Es  ist  bekannt,  dafs  die  Entdeckung  der  neuen  Welt,  die
Gründung  und  Ausbeutung  der  dortigen  Kolonien  sowie  ihre
rasch  aufblühende  Plantagen  Wirtschaft  das  Bedürfnis  nach
menschlichen  Arbeitskräften  mächtig  gesteigert  haben.  Ohne  Arbeiter ­
  hätte  der  gerade  in  den  Kolonien  sich  frei  ausbildende
Grofskapitalismus  mit  den  neuentdeckten  Ländern  wenig  anfangen ­
  können.  Das  kapitalistische  Gewinninteresse  also  war
es,  das  nacheinander  alle  seefahrenden  Nationen  zum  Negersklavenhandel ­
  heranlockte.  Im  Jahre  1502  schmuggelte  der
erste  englische  Sklavenhändler,  J.  Hawkins,  seine  Ware  durch
die  spanischen  Gewässer  nach  Haiti.  Erklärlicherweise  konnte
der  britische  Handel  einen  gröfseren  Umfang  erst  annehmen,
nachdem  England  in  Westindien  eigene  Kolonien  erworben
hatte,  d.  h.  erst  nach  der  Eroberung  der  bisher  spanischen
Inseln  Barbadoes  im  Jahre  1005  und  Jamaika  im  Jahre  1052.
Bis  1088  wurde  er  nach  der  Art  der  meisten  gröfseren  merkantilistisehen
  Handelsunternehmungen  von  privilegierten  Kompagnien ­
  ,  und  zwar  in  der  Form  der  sogenannten  joint-stock
companies,  betrieben.  Der  vorletzten  von  ihnen,  der  New
Boyal  African  Company,  welcher  viele  höchstgestellte  Personen, ­
  z.  B.  der  König  selbst,  der  Herzog  von  York,  der  Graf
v on  Shaftesbury  und  sein  berühmter  Freund  John  Locke  angehörten ­
  ,  machte  die  Revolution  von  1088  ein  Ende.  Die
„Petition  and  Declaration  of  Right“,  welche  alle  königlichen
Privilegien,  die  ohne  Zustimmung  des  Parlaments  bewilligt
worden  waren,  für  nichtig  erklärte,  stellte  den  Sklavenhandel
für  jeden  englischen  Untertan  frei.  Wilhelm  III.  von  Oranien
            
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