Contents: Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

WANDERÜNGSVERLAUF UND GETROFFENE MASSNAHMEN. 113 
In einem Bericht der amtlichen Mitteilungen der 
ßeichszentral stelle heißt es: 
„Im August 1919 wurde der Versuch gemacht, von der Reichs 
übernahmestelle Offenburg aus, die Kohlenbergleute direkt zu den 
Kohlenzechen zu leiten. Er mißlang, weil die Aufenthaltszeit in 
Offenburg zu kurz ist, um ersprießlich wirken zu können, und weil 
die Ankommenden in ihrer seelischen Not meist zu einem raschen 
Entschluß nicht fähig sind. ... Im rheinisch-westfälischen Industrie 
bezirk ist die Arbeitsgelegenheit günstig. Sie wird sich in dem Maße 
steigern, wie die Kohlenförderung zunimmt. Um sie den Vertriebenen 
zugänglich zu machen, sind diese einem Sammellager zuzuführen. Das 
Sammellager ist in Essen einzurichten. . . . Die Verteilung aus dem 
Sammellager erfolgt entweder direkt an die Arbeitsstellen oder unter 
dem Gesichtspunkt der Niederlassungsmöglichkeit auf die einzelnen 
Fürsorgestellen in Dortmund, Münster, Paderborn usw.“ 
Aus diesen Feststellungen der ßeichszentralstelle geht 
hervor, daß man sehr wohl einsah, daß es mit der Über 
nahme der Flüchtlinge in der gehandhabfcen Weise nicht 
getan sei. Seit Herbst 1919 hat man mit der üblichen 
Weiterleitung, Fürsorge und Arbeitsvermittlung bei der 
Übernahme wenigstens in zwei Fällen gebrochen, indem 
durch das Bote Kreuz in den Zentralfürsorgestellen Essen 
und Münster i. W. Sammellager errichtet wurden, denen 
die vertriebenen Arbeiter und ihre Familien von den 
Übernahmestellen überwiesen wurden, und von wo aus 
die Flüchtlinge erst weitergeleitet wurden, wenn Arbeit 
und Wohnung für sie beschafft war. Nach einem Bericht 
der Zentralfürsorgestelle Essen haben das dortige Sammel 
lager seit seinem Bestehen bis zum 1. Oktober 1920 zirka 
3000 Arbeiter passiert, die Zahl ihrer Angehörigen beträgt 
4—5000. Die Flüchtlinge hielten sich durchschnittlich zirka 
zwei Monate im Lager auf. Für 2200 Arbeiter konnte 
Arbeit beschafft werden. Zirka 1100 ledige Arbeiter und 
20 Familien wurden in Wohnungen untergebracht. 
Das Sammellager der Fürsorgestelle in Münster haben 
bis 1. Oktober 1920 ca. 1800 Arbeiter passiert mit ca. 5000 
Angehörigen. Die Flüchtlinge hielten sich durchschnittlich 
2—4 Wochen im Lager auf. Für 1043 ledige Arbeiter 
und für 150 Arbeiter mit Familie konnte Arbeit und 
Ernst, Eingliederung d. Elsaß-Lothr. ins deutsche Wirtschaftsleben. 8
	        
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