Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

134  Achtes  Kapitel.  Ausbau  und  Ende  der  antiken  Weltwirtschaft.
Fesselung  der  Pächter  an  ihre  Scholle,  das  sogenannte  Colonat,
hatte  verschiedene  Wurzeln.  Die  Colonen  bestanden  einerseits  aus
herabgedrücklen  freien  Bauern,  darunter  angesiedelte  Soldaten,
aus  früheren  Pächtern,  und  andererseits  aus  Stlaven,  denen  man
eine  freiere  Stellung  eingeräumt  hatte  (S.  141).  Colonen  traten
dem  Wesen  nach  bereits  im  Anfang  der  Kaiserzeit  auf,  indem
sich  viele  freiwillig  in  die  Abhängigkeit  von  einem  Herrn  begaben,
wobei  sie  sich  zu  manchen  Diensten,  Hand-  und  Spanndiensten,
verpflichten  mußten,  wie  solche  ja  auch  in  den  Munizipien,  zum
Teil  seit  alter  Zeit,  verlangt  wurden  (Stadtrecht  von  Urso  98).
Auch  Freigelassene,  die  in  enger  Abhängigkeit  vom  Herrn  standen
und  das  Land  bebauten,  wären  hierher  zu  zählen.  Die  rechtliche ­
  Entwicklung  des  Colonats  scheint  aber  besonders  an  die
massenhafte  Ansiedlung  deutscher  Kriegsgefangener  auf  römischem
Gebiet  anzuknüpfen,  die  seit  Marc  Aurel  üblich  wurde  (Dio
Cassius  LXXI,  ll).  Das  Resultat  dieser  ganzen  Bewegung  war,
daß  die  Zahl  der  kleinen  Eigentümer  zunächst  auf  Kosten  der
Zeitpächter  abnahm,  die  sich  zu  Erbpächtern  und  schließlich  zu
Colonen  umwandelten,  bis  schließlich  wieder  eine  Art  Eigentümer ­
  daraus  wurden,  die  Abgaben  zu  leisten  hatten.  Auch  in
der  modernen  Wirtschaftsgeschichte  kennen  wir  einen  ähnlichen
Kreislauf.
Diese  Entwicklung  hat  viele  Stufen  durchgemacht.  Wir  sahen,
wie  Cäsar  die  feste  Belastung  gelegentlich  in  quotale  Zahlungsverpflichtungen ­
  umwandelte.  Ähnliches  geschah  auch  auf  dem
Gebiete  der  Bodenpacht.  Während  ursprünglich  vielfach  Verträge
mit  festen  Pachtzahlungen  bestanden,  zwangen  die  üblen  wirtschaftlichen ­
  Verhältnisse  bald  viele  Herrn  zu  einem  andern  Verfahren.
Zunächst  hatte  man  nämlich  die  Pächter  wie  andere  Schuldner
behandelt,  und  wenn  sie  mit  ihren  Zahlungen  im  Rückstand  waren,
ausgepfändet.  Das  hatte  zwar  zur  Folge,  daß  keine  Passiven  mehr
da  waren,  aber  die  Pächter  waren  nun  wirtschaftlich  geschwächt
und  konnten  den  Betrieb  noch  weniger  rentabel  gestalten  als  früher,
man  nahm  ihnen  durch  derartige  Auspfändungen  einfach  die  Mittel,
den  Betrieb  weiterzuführen  (Plinius,  Briefe  III,  19).  Zu  Zeiten,
wo  die  Zahl  der  Pachtsuchenden  groß  war,  jagte  der  Herr  einfach ­
  die  Säumigen  weg,  jetzt  aber  kam  eine  Zeit,  wo  er  froh  sein
mußte,  überhaupt  Pächter  zu  haben,  die  ihm  eine  Rente  verschafften ­
  (Plinius,  Briefe  VII,  30).  Er  griff  daher  zu  dem  Mittel,
die  Pächter  durch  Werkzeuge,  Sklaven  und  sonstige  Hilfsmittel  zu
            
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