Full text: Antike Wirtschaftsgeschichte

Berufsehre, Sklaverei. 
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Maße im Handels- und Bankwesen sowie im Staatsdienst (Äschines, 
Gegen Timarchos 23) zu verwenden. Hier mußten die Schranken 
fallen, und es war häufig für den Herrn vorteilhaft, wenn er seinem 
Sklaven Geld übergab und ihn nur einen Teil des damit erwor 
benen Gewinnes abführen ließ. Diese Gewinnbeteiligung — wie 
wir sie in großen Betrieben beim höheren kaufmännischen Personal 
jetzt sehr häufig kennen, bewährte sich und führte nicht selten dazu, 
daß der Herr dem Sklaven die Freiheit schenkte und den neuen 
Freigelassenen zu seinem Bankier machte. Im Wirtschaftsorganis 
mus unterschieden sich solche Sklaven durch nichts von Freien, 
wie denn überhaupt „Sklave" kein wirtschaftlicher Begriff 
ist, sondern ein politisch-rechtlicher. Die günstige Stellung 
der Sklaven, die in Athen auch zum Teil rechtlich festgelegt war, 
fand darin ihren Ausdruck, daß das Auftreten vieler Sklaven in 
der Öffentlichkeit sich durch nichts mehr von jenem der Freien 
und Beisassen unterschied, was natürlich nur für die höheren 
Sklavenkategorien gilt und zum Teil in dem Sinne gefaßt werden 
muß, in dem man heute sagt, daß sich die Dienstboten wie die 
Herrschaft tragen (Xenophon, Verfassung der Athener 1). Aber 
daneben wuchs auch die Zahl jener Sklaven, die ein wirklich elen 
des Dasein führten und abteilungsweise organisiert in den Berg 
werken arbeiteten. Die Ausnutzung der Sklaven in großem Stil 
von Staats wegen für Bergwerkszwecke war sehr naheliegend 
(Xenophon, Von den Staatseinnahmen der Athener). Die Sklaven 
wurden also geteilt, die stumpferen, minder kultivierten wurden 
in die Bergwerke und in die Fabriken geschickt, während die kulti 
vierteren und gebildeteren in den Handelsstand und in die ökono 
mische Verwaltung eintraten, wo die individuelle Entschließung 
vorwiegt. Das intelligentere Material stammte vor allem aus den 
zahlreichen Kriegen der Griechen untereinander (Diodor XVI, 34). 
Ein Teil der Sklaven wurde übrigens an vielen Orten im Staats 
dienst verwendet, bekannt sind die Polizeisklaven von Athen. Diese 
haben mit dem Begriff, den man sich häufig vom Sklaven macht, 
ebensowenig etwas gemein wie die Nubiersklaven, die als Söldner 
in Ägypten verwendet wurden (S. 10). Im allgemeinen waren 
unter den Sklaven mehr Männer, doch darf man nicht vergessen, 
daß manchmal ein starker Zuwachs von Frauen eintrat, wenn z. B. 
eine Stadt erobert, die Frauen verschont, die Männer aber getötet 
wurden (Thucydides IV, 120 ff.), was die Empörung mancher 
Autoren hervorrief (Jsokrates, Panegyrikos 29). Die Sklavinnen
	        
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