Full text: Antike Wirtschaftsgeschichte

86 Fünftes Kapitel. Das griechisch-orientalische Wirtschaftssystem. 
einer andern Beschäftigung abwechselt, muß endlich aufhören, 
Wissenschaft zu sein, und führt zu Verkehrtem." Abfällige Äuße 
rungen finden sich bis zur Zeit des Hellenismus mehr andeutungs 
weise, unter seinem Einfluß scheinen sie allmählich an Schärfe ge 
wonnen zu haben. So gibt es in den Sprüchen Jesus', Sohn des 
Sirach, eine Stelle, die den abfälligsten Äußerungen griechischer 
Philosophen an die Seite zu setzen wäre, wobei aber gleichzeitig 
die unbedingte Notwendigkeit der Handwerker anerkannt wird: 
XXXVIII. 24. Die Weisheit des Schriftgelehrten stellt sich ein bei gün 
stiger Mußezeit, 
und der, der kein Geschäft hat, wird weise werden. 
26. Wie kann weise werden, wer den Pflug regiert, 
und der sich rühmt, die Lanze des Ochsenstachels zu füh 
ren? — 
27. Ebenso ist's mit irgendeinem Bauarbeiter und Baumeister, 
der ja bei Nacht durcharbeitet wie am Tage; 
28. Ebenso ist es mit dem Schmied, der nahe beim Ambos sitzt 
und die eisernen Werkzeuge untersucht. 
Der Rauch der Feuers bringt ihm sein Fleisch zum Aufspringen, 
und es wird ihm glühendheiß durch die Hitze des Ofens. 
Das Getöse des Hammers macht sein Ohr taub, .... 
2'J. Ebenso ist's mit dem Töpfer, der bei seiner Arbeit sitzt 
und mit seinen Füßen die Scheibe dreht, 
der sich wegen seiner Arbeit immerfort in Sorge befindet, 
und dessen ganze Arbeit sich um die zu liefernde Zayl 
dreht .... 
31. Alle diese verlassen sich auf ihre Hände, 
und ein jeder versteht sich gut auf sein Geschäft. 
32. Ohne sie wird keine Stadt gebaut, 
und wenn sie sogar am fremden Ort wohnen, brauchen 
sie doch nicht zu hungern. 
33. Doch bei der Volksberatung verlangt man sie nicht, 
und in der Gemeindeversammlung tun sie sich nicht hervor, 
und auf den Gesetzbund verstehen sie sich nicht, 
auf dem Stuhle des Richters sitzen sie nicht. 
Auch bringen sie nicht Gerechtigkeit und Recht an den Tag, 
und bei weisen Sprüchen sind sie nicht zu finden. 
34. Aber die ewige Schöpfung erhalten sie in ihrem Bestand, 
und ihr Gebet dreht sich um die Betreibung ihres Gewerbes. 
Die freie Arbeit hat sonst sowie fernerhin in diesem Zeit 
alter eine ziemliche Bedeutung gehabt. Sowohl in Griechenland, 
z. B. in Korinth (Polybius XXXVIII, 4) als auch in Ägypten 
war die freie Arbeit sehr verbreitet. Von großen Sklaven-
	        
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