Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

90  Fünftes  Kapitel.  Das  griechisch-orientalische  Wirtschaftssystem.
Zahl  der  Kolonien  ab,  doch  reichte  die  Einflußsphäre  des  Hellenismus ­
  jedenfalls  bis  nach  Indien.  Es  dauerte  aber  nicht  lange,
und  ein  weiterer  Zerfall  erfolgte  hier  wie  im  Westen,  auch  schrankte
eine  neue  Macht  das  Vordringen  des  Hellenismus  eiu,  eine  Macht,
die  sich  später  selbst  den  Römern  gewachsen  zeigte  und  die  einzige
Großmacht  neben  ihnen  war:  die  der  Parther.
Die  Bedeutung  der  Städte  des  griechischen  Festlandes
war  in  dieser  Periode  geringer  geworden  (S.  80).  Philipp  beließ
zwar  Athen  einen  Teil  seiner  Kolonien,  so  Samos  und  Lemnos,
auch  blieb  Athens  Bedeutung  als  Handels-  und  Industriemacht
eine  hervorragende,  die  Bauten  früherer  Zeiten  wurden  fortgesetzt,
so  z.  B.  der  Piräus  bedeutend  erweitert,  aber  in  den  Kämpfen
nach  Alexanders  Tode  fand  die  athenische  Flotte  bei  Amorogos
in  einer  Schlacht  gegen  die  mazedonische  ihren  Untergang,  womit
die  Seemacht  Athens  endgültig  gebrochen  war.
In  Sparta  hatten  sich  die  Zustände  der  vorigen  Epoche  nur
noch  weiter  verschärft.  Die  Zahl  der  vollberechtigten  Spartiaten
war  immer  kleiner  geworden,  immer  größere  Reichtümer,  nicht
nur  an  Grundstücken,  sondern  auch  an  Edelmetall  (Plutarch,Agis  3)
sammelten  sich  in  den  Händen  weniger,  die  Geldwirtschaft  mit
allen  ihren  Folgen  für  ein  vorwiegend  agrarisches  Land  stellte
sich  ein.  Die  Verschuldung  der  kleinen  und  großen  Grundbesitzer
nahm  unaufhaltsam  zu  und  ebenso  die  Zahl  der  besitzlosen  Proletarier, ­
  die  auf  die  Revolution  lauerten  (Plutarch,  Agis  5).  Ein
spartanischer  König,  Agis,  war  es,  der  in  der  zweiten  Hälfte  des
3.  Jahrhunderts  hier  eingreifen  wollte.  Die  besitzlosen  Massen
sollten  durch  Güterverteilung  befriedigt  werden,  die  verschuldeten
Güter  durch  einen  Schuldennachlaß  entschuldet  werden,  zwei
Ziele,  die  auch  andere  Reformatoren  verfolgten  (Diodor  XIX,  9),
wodurch  aber  nur  augenblicklich  geholfen  werden,  die  gleichen  Forderungen ­
  für  die  Zukunft  nicht  beseitigt  werden  konnten  (Polybius
XIII,  1).  Durch  die  ebenfalls  beabsichtigte  Neuaufnahme  von
Bürgern  (Plutarch,  Agis  8)  sollte  das  alte  Spartiateutum,  wie
man  das  nannte,  wieder  hergestellt  werden  (Plutarch,  Agis  4).
Trotz  Widerstand  in  den  konservativen  Bevölkerungsschichten  und
bei  den  Geldleuten  fand  der  König  genug  Anhang,  insbesondere
bei  seinen  Verwandten.  Unter  letzteren  war  aber  einer,  dem  es
sehr  gelegen  kam,  seine  Güter  zu  entschulden,  der  aber  gar  kein
Interesse  daran  hatte,  etwas  abzugeben.  Dieser  redete  nun  dem
Könige  zu,  daß  man  Reformen  schrittweise  durchführen  müsse,
            
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