Full text : Das Lebenswerk von Karl Marx

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Ein  paar  überspannte  Schneidergesellen,  die  sich  ihr  bißchen  Gehirn
mit  den  kabbalistischen  Formeln  des  „Kapitals"  in  Grund  und  Boden
ruinierten  und  hie  und  da  ein  bürgerlicher  Berufsnationalökonom.
Adolph  Wagner  vielleicht  und  Schäffle  und  Adolf  Held:  ein  als
„Kenner"  sozialistischer  Literatur  seiner  Zeit  vielbewunderter  Ordinarius ­
  der  Nationalökonomie  in  Bonn.
Aber  was  für  einen  Marx  kannten  diese  wenigen?!  Sicher
nicht  den,  der  Marx  selber  sein  wollte  und  als  der  er  dann  später
auch  wirklich  entdeckt  wurde.  Marx  gehörte  zu  denjenigen  Denkern,
die  ihrer  eigenen  Meinung  nach  immer  mißverstanden  wurden.  Selbst
in  den  Kreisen  seiner  nächsten  Freunde  stieß  Marx  nur  auf  geringes
Verständnis.  Auch  Lassalle,  ein  immerhin  ganz  gescheidter  Kerl,
der  doch  gewiß  auch  den  besten  Willen  hatte,  in  den  Geist  der
Marx'schen  Lehren  einzudringen,  blieb  ohne  Erleuchtung:  der  Abschnitt ­
  seiner  Schrift  gegen  Schulze-Delitzsch,  worin  er  die  „geistig
Quintessenz"  der  Marx'schen  Theorie  geben  wollte,  „enthält  bedeutende ­
  Mißverständnisse",  wie  Marx  nach  Lassalles  Tode  festzustellen ­
  für  notwendig  erachtete.
Und  gar  erst  die  „Kleinen  von  den  Seinen"  !  Als  sie  1875
mit  Aufbietung  aller  ihrer  geistigen  Kräfte,  für  die  deutsche  (geeinte)
Sozialdemokratie  ein  Programm  aus  den  Lehren  ihres  Führers
Marx  herauszudestillieren  sich  redlich  bemühten,  bekamen  sie  die
Antwort  aus  London:  es  sei  „ein  durchaus  verwerfliches  und  die
Partei  demoralisierendes  Programm",  was  sie  da  aufstellen  wollten  und
dazu  eine  Kritik,  die  alle  ihre  „theoretischen"  Ansichten,  die  Marxisch
sein  wollten,  kurz  nnd  klein  schlug.
Verstanden  ihn  seine  Parteigänger  nicht:  wie  sollten  ihn  seine
politischen  Gegner  verstehen,  die  er  ja  samt  nnd  sonders  für  Idioten
erklärte.
            
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