Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

138 Elftes Buch. Drittes Kapitel. 
der politischen Hilfe seiner wichtigsten germanischen Nachbarn 
abgeschnitten: unter König Philipp dem Schönen sind der Herzog 
von Brabant, der Bischof von Lüttich und der Kölner Erzbischof 
französische Pensionäre und Vasallen geworden. Darauf stürzte 
fich Fraukreich unmittelbar auf die Grafschaft: im Jahre 1801 
rückte ein französisches Heer ein, wohl empfangen von den Le⸗ 
ligarts, den Lilienfreunden, den großen Geschlechtern der Städte. 
Aber hiergegen erhob sich das eingeborene deutsche Element 
der mittleren Buͤrger. Es kam zu den Matines von Brügge, 
zur Erhebung unter dem Wollenweber Pieter de Coninck und 
dem Fleischer Jan Breydel, und zum Sieg der Vlamen bei 
Kortrijk. Der Friede, den Philipp nach einem Siege bei Mons 
en Puelle im Jahre 180 endlich abschloß, brachte Frankreich 
nichts weiter, als militärische Erschöpfung und den definitiven 
Besitz von Lille und Douai. 
In Flandern aber feierte das populäre, gewerbliche Ele— 
ment der Bevölkerung nun seine Triumphe; mächtig stieg die 
Bedeutung der großen Städte; in dem Transport des Jahres 
1317 erschienen Brügge, Gent und Jeperen, die drei wichtig⸗ 
sten Städte, mit 40 */0 aller Aufbringungen des Landes be— 
lastet. Und auch das platte Land begann viel unmittelbarer 
von den Städten abzuhängen; der Ackerbau vor ihren Thoren 
verwandelte sich immer mehr in Gärtnerei und Anbau von 
Handelsgewächsen; wie ein agrarischer Nimbus gleichsam legte 
sich ein Umkreis fettesten Bodens um die städtischen Mauern; 
der Vlame kann sich fast nicht minder, als der Holländer, der 
menschlichen Schöpfung seines Fruchtlandes rühmen. Dieser 
Aufschwung wurde auch durch große Unruhen vornehmlich seit 
dem Jahre 1824, gegen welche der Flandrergraf schließlich 
Frankreich zu Hilfe rief, nicht unterbrochen, geschweige denn 
zum Stillstand gebracht, so sehr auch Krieg und gräfliches 
Schreckensregiment unter der Bevölkerung wüteten. 
Eine wesentliche Anderung der politischen Lage trat erst 
ein mit dem Augenblick, da Frankreich und England auf lange 
in unversöhnliche Feindschaft gerieten. Mit der Thronbesteigung 
des Hauses Valois im Jahre 1828 erhob König Edward III.
	        
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