Full text: Das Lebenswerk von Karl Marx

18 
fassen kann. Diese nun hat zwei Seiten, eine ideale und eine 
materielle. Ideal kann sich eine Klasse selbstverständlich nur dann als 
emanzipiert betrachten, wenn sie als Klasse wirtschaftlich und somit 
politisch herrschend oder mindestens unabhängig geworden ist, das 
Proletariat, das in ökonomischer Abhängigkeit vom Kapital sich be 
findet, also nur, wenn es diese Abhängigkeit vom Kapital aufhebt. 
Man könnte sich vielleicht denken, daß das Proletariat Unternehmer 
als Angestellte unterhielte, die die Produktion als Beauftragte leiteten. 
Dann aber wäre die Leitung ja nicht mehr in den Händen der Unter 
nehmer wie heute, sondern in den Händen des Proletariats, dieses 
also Herr der Situation. Solange diese Herrschaft in irgend welcher 
Form nicht erreicht ist, kann, im Sinne der Klasse gesprochen, von 
einer Emanzipation nicht die Rede sein. Ebenso kann materiell nicht 
die Rede davon sein, solange diejenigen Umstünde weiter wirken, die 
heutzutage vom Standpunkte der Klasse ans als die eigentlichen 
Gründe ihrer sozialen Inferiorität betrachtet und ans dem kapi 
talistischen Wirtschaftssystem abgeleitet werden. Wenn also das Pro 
letariat sich klar ein Ziel setzt, so kann dieses Ziel nur sein, immer 
vom Standpunkte der Klasse aus, die Beseitigung dieses kapitalistischen 
Wirtschaftssystems. Nun ist diese Beseitigung in zwei Formen 
möglich. Sie kann nämlich entweder erfolgen, indem die großen 
Wirtschaftsformen, die die früheren kleinen abgelöst haben, zurückge 
bildet werden zu kleinen Verhältnissen. In diesem Falle bedeutete 
die Beseitigung des kapitalistischen Wirtschaftssystems eine Rückbildung 
in kleinbürgerlichem Sinne. Oder aber es kann dieses System über 
wunden werden in der Weise, daß die bestehenden Formen der Groß 
produktion erhalten werden. Dann kann die Beseitigung nur in 
einer Vergesellschaftung der Produkttonsmittel und gemeinschaftlicher 
Organisation bestehen: ein drittes gibt es nicht. Wenn also das
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.