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Noch gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts herrschte be
kanntlich die phlogistische Theorie (usw.) . . . Diese Theorie reichte
hin, die meisten damals bekannten chemischen Erscheinungen zu er
klären . . . Nun stellte 1774 Priestley eine Luftart dar, die er
so rein oder so frei von Phlogiston fand, daß gewöhnliche Luft im
Vergleich damit schon verdorben schien. Er nannte sie: dephlogistisierte
Luft. Kurz nachher stellte Scheele in Schweden dieselbe Luftart
dar und wies deren Vorhandensein in der Atmosphäre nach . . .
Priestley wie Scheele hatten den Sauerstoff dargestellt,
wußten aber nicht, was sie unter der Hand hatten . . . Lavoisier
untersuchte nun, an der Hand dieser neuen Tatsache, die ganze phlo
gistische Chemie, entdeckte erst, daß die neue Luftart ein neues
chemisches Element war, daß in der Verbrennung nicht das geheim
nisvolle Phlogiston aus dem verbrennenden Körper weggeht, sondern
dies neue Element sich mit dem Körper verbindet und stellte so die
ganze Chemie, die in ihrer phlogistischen Form auf dem Kopfe ge
standen, erst auf die Füße.
Wie Lavoisier zu Priestley und Scheele, so verhält sich
Marx zu seinen Vorgängern in der Mehrwertstheorie. Die Existenz
des Produktenwertteils. den wir jetzt Mehrwert nennen, war fest
gestellt lange vor Marx; ebenso war mit größerer oder geringerer
Klarheit ausgesprochen, woraus er besteht, nämlich aus dem Pro
dukt der Arbeit, für welche der Aneigner kein Äquivalent gezahlt
hat. Weiter aber kam man nicht . . .
Da trat Marx auf. Und zwar in direktem Gegensatz zu allen
seinen Vorgängern. Wo diese eine Lösung gesehen hatten, sah er
nur ein Problem. Er sah, daß hier weder dephlogistisierte Luft
vorlag noch Feuerluft, sondern Sauerstoff — daß es sich hier nicht
handelte, sei es um die bloße Konstatierung einer ökonomischen Tat-
Sombart, LebenSwrrk von ñarl Marx. 3