Full text: Das Lebenswerk von Karl Marx

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zahlen. Das Essentielle des gesetzmäßigen Naturvorgangs ist die 
mathematisch sich gleichbleibende Kraftwirkung, das Wesentliche des 
Marktvorgangs eine stets vorhandene Ungleichheit der Motivation 
und Handlung der die „Kräfte" bildenden lebendigen Individuen. 
Das „Preisgesctz" ist also nicht nur in seiner Ausdehnung 
(extensiv), sondern ebensosehr und noch mehr in seiner Wirksamkeit 
und somit Bestimmbarkeit (intensiv) beschränkt. 
Seine Bedeutung für die Nationalökonomie ist also grund 
verschieden etwa von der des Fallgesetzes für die Mechanik. In ihm 
kommt jene oben genannte Abstraktionstendenz, deren wir uns als 
Hilfsmittel zur Erkenntnis der Wirklichkeit bedienen, zum Ausdruck. 
Wir verfolgen die mögliche Wirkung eines bestimmten Motivs (den 
Wunsch, möglichst teuer zu verkaufen, möglichst billig zu kaufen) in 
Gedanken und formulieren diese Fiktion zu einem Gesetz, das aber 
möglicherweise überhaupt nie in Wirksamkeit tritt. Diese „Gesetze" 
sind nicht die Erkenntnis, sondern bereiten die Erkenntnis nur vor. 
Wenn ich die Wirkung der Steigerung der Edelmetallproduktion 
„theoretisch" festgestellt habe (z. B. in dem Satze: ist mit der Zu 
nahme der Produktion eine Verminderung der Produktionskosten 
verbunden, so steigen die Preise, im andern Falle nicht) so habe ich 
wirkliche Erkenntnis noch gar keine. Diese gewinne ich erst dadurch, 
daß ich die Wirkung der Entdeckung von Potosi oder Kaliforniens 
usw. in concreto untersuche. Während also die naturwissenschaft 
lichen Gesetze den Bestand an Erkenntnis darstellen, über den die 
Naturwissenschaften verfügen, sind soziale „Gesetze" nichts anderes 
als ein technischer Apparat, um damit Erkenntnisse zu gewinnen. 
Sie sind nicht das Ende, sondern der Anfang der Erkenntnis. 
Neben diesem technischen Hilfsapparat gibt es dann in den 
Geisteswissenschaften noch jene ebenfalls bereits gekennzeichneten
	        
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