Object: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Chalmers. 
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der Geistlichen durch Localisirung in grossen Städten gerade 
30 wirksam eingerichtet werden müsse wie auf dem platten 
Lande, da ohne christliche Erziehung auch auf wirthschaft- 
lichem Gebiete kein Heil sei. Chalmers schildert des Näheren, 
wie die Geistlichen wirken sollen — man erkennt aber leicht, 
dass eben der energische Wunsch nach Steigerung des Ein- 
flusses der Kirche die beherrschende Tendenz ist, nicht die 
Durchdringung der wirthschaftlichen Lehren mit christlicher 
Humanität. Vielmehr wird ganz im Geiste der individualisti- 
schen Nationalökonomie Abschaffung der gesetzlichen Armen- 
pflege gefordert und es werden die Einhegungen von Ge- 
meindeländereien gebilligt — das Christenthum soll der Wirth- 
schaft vorgehen und dienen, nicht sie umgestalten. In dem 
zweiten genannten Werke werden die Grundanschauungen, die 
schon in dem ersten vorkommen, noch eingehender entwickelt. 
Der Zweck der Nationalökonomie, den materiellen Wohlstand 
zu fördern, wird als ein‘ Zweck für sich allein ohne Weiteres 
anerkannt, und Chalmers fügt nur dazu, dass eben zur Er- 
reichung materiellen Wohlstands moralische und religiöse Er- 
ziehung nöthig sei. Chalmers acceptirt die Ricardo’sche Grund- 
rentenlehre, die nur insofern etwas gemildert wird, als hervor- 
gehoben wird, dass der Arbeiter sich heute zwar mehr an- 
strengen müsse als früher, aber dafür auch mehr geniessen 
könne. Auch behauptet er, dass die Entwicklung der Grund- 
vente sich je nach dem Charakter des Volks verschieden ge- 
stalte und er beruft sich manchmal auf R. Thompson statt auf 
Ricardo. Besonders aber bekennt sich Chalmers ganz ıhbe- 
Jingt zur Malthus’schen Bevölkerungslehre und das Christen- 
hum soll den Arbeitern vor Allem deshalb eingeflösst wer- 
den, damit sie auch ohne Verständniss der Malthus’schen 
Lehre die moralische Enthaltsamkeit‘ in Bezug auf das Hei- 
vathen üben — das Christenthum ist ein Mittel zum Zweck 
Zzewisse rationelle Erfolge leichter zu erreichen, Wenn frei- 
geistige Individualisten als einziges Heilmittel für sociale 
Leiden intellectuelle Bildung anpreisen, so empfiehlt Chal- 
Mmers moralische Erziehung durch die Kirche und beweist da- 
lurch vielleicht eine grössere Kenntniss der Menschennatur —
	        
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