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Aufschwung nehmen. Eins der wichtigsten Volksnahrungsmittel würde
verbilligt und durch den gesteigerten Zuckerexport, der dann bei niedrigen
Preisen möglich wäre, würde unsere Zahlungsbilanz stark entlastet
werden. Aber auch so muß der Zuckerrübenbau gepflegt werden. Wir
haben im Inlande alles, was wir für denselben brauchen, Boden,
Kunstdünger, Maschinen, Arbeitskräfte. An eine wesentliche Beeinflussung
der Zuckerpreise auf dem Weltmarkte zufolge einer Produktionssteigerung
Deutschlands ist in den nächsten Jahren kaum zu denken. Hier kann also
der Hebel mit allen Kräften angeseßtt werden und zwar vornehmlich in
allen Bauernwirtschaften, die leidlich günstig zu den Zuckerrübenfabriken
liegen. In den großen Zuckerrübenwirtschaften wird man heute froh sein,
wenn man den alten Umfang des Zuckerrübenbaus wieder erreichen oder
aufrecht erhalten kann, da hier die Arbeitsverhältnisse zufolge Zurücktretens
der ausländischen Wanderarbeiter und zufolge der Lohnsteigerung besonders
bei den inländischen Arbeitskräften erheblich ungünstiger geworden sind.
Allerdings haben sich viele Zuckerrübenwirtschaften bereits durch verstärkte
Heranziehung von Arbeitern aus der Umgegend, umfangreiche Vergebung
der ganzen Rübenkultur in Pauschalakkord und besonders durch weitgehende
Mechanisierung des Rübenbaues zu helfen gesucht. Auch ein verstärktes
Mitarbeiten der Tagelöhnerfrauen ist stellenweise erreicht worden, besonders
dort, wo nicht –} wie in Mecklenburg ~+ ein unverantwortlich hoher
Naturallohn als Jahresgrundlohn ohne jede Arbeitsverpflichtung der Frauen
gegeben wird.
Nirgends aber liegen die Arbeitsbedingungen für den Zuckerrübenbau
heute so günstig wie in den Bauernwirtschaften. Von Haus aus ist es
etwas völlig Unnatürliches, daß der Zuckerrübenbau vornehmlich zu einer
Domäne des Großbetriebes geworden ist. Seinen Grund hat das lediglich
in der Zulassung der ausländischen Wanderarbeiter und deren geringen
Ansprüchen an Wohnraum und Wohnkapital. Eigentlich müßte der Zucker-
rübenbau eine Domäne des Kleinbetriebes sein, denn er hat für denselben
die besten Arbeitskräfte, insbesondere auch Kinder zum Verziehen der Rüben
und Frauen für die Hackarbeit. Es läßt sich aber auch der Zuckerrübenbau
so organisieren, daß Groß- und Kleinbetrieb dabei zusammenarbeiten. Über-
nimmt der Kleinbauer im benachbarten Großbetriebe die Rübenkultur gegen
Pauschalakkord und erhält seine Bezahlung nicht nur in Geld, sondern auch
in Form von Rübenblättern und Rübenschnitzeln, so ist beiden Teilen gedient.
Landrat v. Wilmowski sagt im Septemberheft der Südd. Monatshefte
mit Recht, „daß in den industriellen Gegenden des Rheinlands, Wäürttem-
bergs und Sachsens auch die Überführung eines Teils der industriellen
Arbeitskräfte in die Landwirtschaft auf die einfachste Weise derart geschehen
kann, daß die bodenständigen, hausbesitzenden Arbeiter, die in den letten
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