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in Verbindung mit dem Großhandel!), während in der Leidener Tuch-
industrie sich Gruppen von Unternehmern bildeten, die wieder vom
Amsterdamer Großhandel abhängig waren. Deutliche Merkmale
des Großbetriebes lassen die Unternehmungen der Refugies Baille
in Amsterdam, van Mollem in! Utrecht Ende des 17. Jahr-
hunderts erkennen; des letzteren Seidenfabrik beschäftigte 500
Arbeiter und gab außer dem Hause 1100 Webstühlen Arbeit. In
den Brauereien zeigte sich im 17. Jahrhundert ein Drang zum
Großbetrieb. Doch ist bei den meisten dieser älteren industriellen
Unternehmungen wohl noch nicht an Kapitaleinsatz in größerem
Stile zu denken; sie tragen noch frühkapitalistischen Charakter.
Unzweifelhaft bestand auch schon früh die Verpflanzung der
Großunternehmung von der Stadt auf das Land. Die größten Ein-
deichungen sind um die Wende des 16. zum 17. Jahrhundert durch
Kaufleute vorgenommen worden; es war ein kapitalistisches Werk.
An der Blumenzwiebelzucht, die zu einer Zeit schon in größeren
Unternehmungen erfolgte, als die übrige Landwirtschaft diesen noch
völlig fern stand, war städtisches Kapital beteiligt. Die weiteste
Ausdehnung hat das Großunternehmen wohl im Bereich der Kolo-
nien erfahren. Hier war diese Entwicklung ja schon durch die
gesellschaftliche Organisation vorgezeichnet. Wer eine Reihe von
Aktien der Ostindischen Kompanie besaß, wer an den Plantagen-
unternehmungen in Westindien beteiligt war, der war Großunter-
nehmer, und um so größer, je mehr sich von solchen Anlagen in
seinen Händen häufte. Diese Art von Großunternehmung, die un-
persönlicher Art war und sich nur auf den Besitz gewisser Rechts-
titel stützte, die eigene persönliche Mitwirkung meist ausschloß,
hat im 18. Jahrhundert in großem Umfange zugenommen.
Alles dieses war der Ausdruck städtischer Entwicklung, der
Ausfluß eines Wirtschaftslebens, das auf dem in der Stadt sich
anhäufenden Reichtum beruhte, und damit zugleich ein Zeugnis
für die stetig wachsende Machtfülle der Stadt, deren Wirkungen
sich über das ganze Land verbreiteten.
') Nach Brugmans, Opkomst, S. 144, scheute das Amsterdamer Groß-
kapital lange eine Verbindung mit der Industrie wegen des in ihr herrschenden
Zunftwesens; erst am Ende des 17. Jahrhunderts begann das Großkapital sich mehr
an der Industrie zu beteiligen.