Object: Kann das Geld abgeschafft werden?

auftauchen, dürfte sich vereinfachen, wenn man die Prüfung der 
anderen Pläne vorwegnimmt. Darum zunächst, in diesem und im 
folgenden Kapitel, das Problem der völlig geldlosen Wirtschaft! 
Geldlos ist die Wirtschaftsordnung, innerhalb derer überhaupt 
kein Geld, weder als Rechengeld noch als Umtauschmittel, zu 
finden ist. Ein erfahrungsmäßiges Beispiel solcher Wirtschaft 
steht uns täglich vor Augen: der Haushalt der Familie. 
Dieser Fall wird in der vorliegenden Arbeit nicht gesondert be- 
handelt, weil hier nicht von einer Abschaffung des Geldes ge- 
sprochen werden kann. Innerhalb einer geschlossenen Hauswirt- 
schaft hat niemals das Geld eine Rolle gespielt, so wenig wie in 
der „isolierten“ Wirtschaft eines Einsiedlers. Im Gegenteil kann 
man sagen, daß die Wiedereinführung der geldlosen Wirtschaft, 
wie auch immer sie geplant ist, stets auf eine im großen betriebene 
Familienwirtschaft hinausläuft. Am deutlichsten zeigt sich dieses 
Streben nach „Familiarisierung“ der Gesellschaftswirtschaft in dem 
Vorschlag Otto Neuraths, die Geldrechnung durch den „Natural- 
kalkül“ und die „Geldwirtschaft“ durch die „Natu ralwirtschaft‘“, 
im Sinne unmittelbaren gesellschaftlichen Güteraustauschs, zu er- 
setzen. (Als Antwort auf die Frage, warum die Geld- bezw. Natural- 
rechnung hier von der Geld- bezw. Naturalwirtschaft unterschieden ist, 
sei schon jetzt vordeutend bemerkt, daß die Naturalrechnung als 
Methode rein wirtschaftlicher Erwägungen nicht auf den speziellen 
gesellschaftswirtschaftlichen Organisationstyp der Neurathschen 
Naturalwirtschaft beschränkt bleibt, sondern auch in der ganz 
anders organisierten Geldwirtschaft neben der Geldrechnung ihre 
Stelle hat.) Die Anregung zu seinen Plänen boten Neurath die 
Betrachtungen zur Frage der Kriegswirtschaft, die er schon vor 
Beginn des Weltkrieges als nahezu einziger Wirtschaftswissen- 
schaftler anstellte und dann auf Grund der im Krieg und in der 
nachfolgenden Revolution gemachten Erfahrungen ausbaute. Die 
Andeutungen Kautskys über die Naturalleistungen im „Zukunfts- 
staat“ des Erfurter Programms der deutschen Sozialdemokratie 
{S. 38) stammen auch schon aus der Zeit vor dem Kriege. Unter 
dem Eindruck der Kriegserlebnisse haben dann auch andere 
Wirtschaftswissenschaftler, vor allem Gruntzel, auf die neuen An- 
sätze einer Naturalwirtschaft hingewiesen. Freilich beschränken 
sich diese: Hinweise zumeist auf. den Naturaltausch, sogar im 
historisch-primitiven Sinn dieses Wortes, wogegen Neurath in 
seiner „Großnaturalwirtschaft“ nicht eine Rückbildung, sondern 
einen Fortschritt der gesellschaftlichen Wirtschaft anstrebt.
	        
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