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weiter zu vertauschen‘ (Wert, S. 175). Am weitesten entfernt sich von der
Deutung des Geldes als Ware die sogenannte Anweisungstheorie, nach der
„alles Geld im Hinblick auf die Verwendungsart nur Anweisung auf andere
Sachgüter ist, ein bloßes Zeichen, eine Marke, nicht aber etwas, was uns
durch sich selbst befriedigt“ (Moll, Logik, S. 29). Oder, wie Schum-
peter meint, „vergleichen wir die Warenmasse mit dem Raum in einem
Stehparterre und die Geldeinheiten mit den Eintrittsbilletts dazu, so sehen
wir sofort, wovon die Kaufkraft des Geldes abhängen muß, der in diesem
Gleichnis der Raum entspricht, welcher dem einzelnen Besucher des Steh-
parterres zur Verfügung steht ... Weil das Geldeinkommen auf dem Produk-
tionsmittelmarkt nur erworben wird, um auf dem Genußgütermarkt aus-
gegeben zu werden, so ist das Wesen des Geldes mit der Analogie mit der An-
weisung auf Güter von Bendixen offenbar richtig wiedergegeben“
(Sozialprodukt, S. 647, 635). Schließlich sehen manche in dem Geld bloß
einen „reinen Zahlenbegriff‘‘ (Elster), eine „abstrakte Rechnungseinheit‘
(Liefmann, Dalberg). Alle Theorien, die das Wesen des Geldes in
seiner Verkehrsfunktion aufzeigen, faßt Mises in seiner ‚Klassifikation‘
als „‚katallaktische Geldtheorien‘‘ zusammen.
Wo ist Wahrheit? kann man auch hier fragen. Moll nennt
das Problem des Geldbegriffs geradezu einen „Stein der Weisen“,
Bendixen spricht ironisch vom „unlösbaren Geldproblem“, Neu-
rath von der „Mystik des Geldes“, Gibt es gar keine Mög-
lichkeit, das Wesen des Geldes „richtig“ zu erkennen? Es sollen
hier nicht die letzten Fragen der Erkenntnislehre erörtert werden:
aber als Grundlegung alles folgenden scheint mir doch die Fest-
stellung geboten:
ı. daß die Möglichkeit einer objektiv wahren Erkenntnis des
Wesens des Geldes die logische Voraussetzung jeder systematischen
Erforschung der unter den Begriff Geld fallenden Tatsachen ist;
2, daß die Wesenserkenntnis des Geldes mindestens eine
ideale Aufgabe der Wissenschaft ist, und
3. daß auch die Durchführung dieser Aufgabe unter einem
„idealen Recht“ steht, freilich in den Grenzen der jeweils erreichten
Erfahrungs- oder Vorstellungsstufe (Husser]).
Trotz der zum Teil einander unmittelbar zuwiderlaufenden
Meinungen, die bisher über den Geldbegriff geäußert worden
sind, scheint mir das Streben nach der Erkenntnis des wahren
Wesens des Geldes nicht aussichtslos. Ein Doppeltes nur ist dabei
zu beachten: Ausgangspunkt muß der gesamte der wissen-
schaftlichen Forschung zugängliche Erfahrungs- und Vorstellungs-
bereich sein, — und der einzuschlagende Weg ist die allmähliche
Verengung des Erfahrungsstoffs durch Weglassung alles Individuell-
Zufälligen, d. h. alles nur Zeitweiligen. Nebensächlichen. äußerlich