Full text : Entwickelungstendenzen im Aussenhandel Chinas und Japans

Rathgen:  Entwickelungstendenzen  im  Aussenhandel  Chinas  und  Japans.  9  4  9

der  Wert  des  Silbers  seit  den  siebziger  Jahren  gesunken.  In  Gold  ausgedrückt ­
  sind  die  Warenwerte  also  nicht  annähernd  so  stark  gestiegen, ­
  wie  in  Silber.  Tatsächlich  sind  bei  den  meisten  wichtigen  Waren
auch  die  Mengen  nicht  so  gewachsen,  wie  die  Werte.  Zum  Beispiel
stieg  vom  Ende  der  achtziger  Jahre  bis  zum  Anfang  des  neuen  Jahrhunderts ­
  die  Ausfuhr  von  Rohseide  aus  China  dem  Werte  nach  um
etwa  140  Prozent,  der  Menge  nach  nur  um  etwa  50  Prozent.  In  J  a  p  a  n
wurden  bis  1888  die  in  Gold  und  Silber  deklarierten  Werte  einfach  zusammengezählt ­
  ohne  I^ücksicht  auf  die  Silberentwertung.  Deshalb  ist
die  Bedeutung  der  älteren  Einfuhrzahlen  sehr  geschmälert.  Von  1888  bis
1897  gibt  die  japanische  Handelsstatistik  Silberwerte,  von  da  an  Goldwerte. ­

b)  Die  Einfuhrwerte  waren  früher  weder  in  China  noch  in
Japan  die  wirklichen  Einfuhrwerte,  sondern  die  Ursprungswerte,  so  dass
also  die  Transportkosten  nicht  eingeschlossen  sind.  In  Japan  sind  die
Einfuhrwerte  seit  1899  die  wirklichen.  In  China  sind  erst  seit  1904  bei
der  Einfuhr  die  c.  i.  f-Werte,  bei  der  Ausfuhr  die  f.  o.  b-Werte  eingesetzt.
In  Japan  gelten  die  Ausfuhrwerte  für  zu  niedrig.  Alles  das  stört  natürlich
die  Vergleichbarkeit.
c)  Das  Gebiet,  auf  welches  sich  die  Zahlen  beziehen,  hat  sich
1895  durch  die  Abtretung  Formosas  von  China  an  Japan  verschoben.
Der  Verkehr  mit  Formosa  ist  für  China  jetzt  Auslandsverkehr.  In  die
japanische  Handelsstatistik  ist  aber  Formosa  nicht  einbezogen,  weder
der  Verkehr  Formosas  mit  Japan,  noch  der  mit  dem  Auslande.
d)  NichtallerHandel  wird  wirklich  von  der  Handelsstatistik
erfasst.  So  fehlt  in  Japan  bei  der  Einfuhr  der  grösste  Teil  des  staatlichen
Bedarfs  (Waffen,  Schiffe),  und  zwar  in  neuerer  Zeit  mehr  als  früher.  In
China  fasste  die  Seezollverwaltung  früher  nur  den  Verkehr  auf  Schiffen
europäischer  Bauart  in  den  offenen  Häfen.  Allmählich  ist  der  Dschunkenverkehr ­
  zu  einem  immer  grösseren  Teile  unter  die  gleiche  Kontrolle
gekommen  (namentlich  seit  1887  der  von  Hongkong  aus  betriebene).
Seit  1904  ist  der  ganze  Seehandel  unter  Kontrolle,  mit  Ausnahme  des
Dschunkenhandels  nach  nicht  offenen  Plätzen.  Daneben  dürfte  für  China
der  Schmuggel  auch  heute  noch  eine  gewisse  Bedeutung  haben.*)
Von  dem  chinesischen  Landhandel  erscheint  nur  der  Verkehr  mit  Tongking
  und  der  Durchgangsverkehr  über  Tientsin  nach  Sibirien  in  den
Listen.

*)  Z.  B.  ist  die  Einfuhr  von  Morphium,  das  als  Opium  -  Surrogat  dient,  seit  der
Einführung  eines  hohen  Zolles  fast  verschwunden,  während  sie  1902  einen  Wert  von
über  314  000  Tis  hatte.
            
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