954
Sektion VII; Die weltwirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands.
Der zweite wichtige Posten sind Baumwollwaren, die seit
15 Jahren ziemlich unverändert zwischen 33 und 40 Prozent der Einfuhr
ausmachen. Das bedeutet absolut eine Verdreifachung des Silberwertes.
Aber Qarne haben sich fast verfünffacht, Gewebe nur reichlich verdop
pelt. Früher kam auf Garne kaum ein Drittel, heute fast die Hälfte der
ganzen Summe.
Auf alle andern Waren, ausser Opium und Baumwollwaren, kamen
Ende der achtziger Jahre noch nicht zwei Fünftel, 1904 dagegen 54 Pro
zent. Mit grösseren Summen ragen heute nur Petroleum und Zucker
hervor und nach schlechten Ernten Reis.
Fragen wir uns, welchen wirtschaftlichen Zwecken die Einfuhr
dient, so ist ganz auffallend, dass sie zum weitaus grössten Teil nicht
für die Produktion, sondern für den unmittelbaren Verbrauch erfolgt,
wenn wir von Baumwollgarn absehen. Erst in den letzten Jahren hat
sich das etwas geändert. Aber auch für das Jahr 1904 machen die
Waren, die als Rohstoffe, Halbfabrikate, Maschinen usw. der Produktion
dienen, soweit sie sich aus der mangelhaften chinesischen Statistik aus
sondern lassen, erst etwa 40 Milk Tis., noch nicht 12 Prozent der Einfuhr,
aus (von Garn immer abgesehen), und darin stecken für 7 Milk Kohlen,
die grösstenteils der fremden Schiffahrt dienen. Eine Stärkung der wirt
schaftlichen Produktionskraft, d. h. also der Kaufkraft Chinas, findet
also durch seine Einfuhr nur in geringem Umfange statt.
Ganz anders Japan. Ich habe in meinem angeführten Schriftehen
die in der Tabelle III wiedergegebene Scheidung der Einfuhr in Waren,
die dem Verbrauch dienen, durchgeführt bis 1903 und hier bis 1904 fort
geführt. Das Kriegsjahr 1904 ist natürlich in mancher Beziehung nicht
normal. Die Einführung von Kriegszöllen hat bei manchen Waren zu
nächst die Einfuhr gesteigert, später gehemmt. Die Einfuhr von Waren
des reinen Luxusbedarfs (z. B. Taschenuhren) hat abgenommen. Die
Einfuhr aus Russisch-Asien und der Mandschurei war natürlich arg ge
stört (Salzlachs!) *) Ein erheblicher Teil der Einfuhr besteht aus Kriegs
bedarf, so die grosse Zunahme von Waliser Kohle, Dampfschiffen, Häu
ten, Leder, Wolldecken, während andere Wollstoffe abnehmen.**)
Die Tabelle V zeigt, dass die der Produktion dienende Einfuhr viel
stärker gestiegen ist, als die dem Verbrauch dienende. Das ist nur die
andere Seite der uns bekannten Erscheinung, dass die Ausfuhr nament
lich industrieller Erzeugnisse sich so stark vermehrt hat.
*) Bemerkenswert ist die starke Zufuhr von raffiniertem Zucker aus Russland, die
von 150 t auf 1860 t stieg. Russland gibt seinem Zucker Prämien, damit der japanische
Konsument billigeren Zucker bekommt.
**) Der Import für Kriegszwecke ist aber in der Handelsstatistik offenbar nur un
vollkommen enthalten.