Full text : Entwickelungstendenzen im Aussenhandel Chinas und Japans

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Sektion  VII;  Die  weltwirtschaftlichen  Beziehungen  Deutschlands.

Der  zweite  wichtige  Posten  sind  Baumwollwaren,  die  seit
15  Jahren  ziemlich  unverändert  zwischen  33  und  40  Prozent  der  Einfuhr
ausmachen.  Das  bedeutet  absolut  eine  Verdreifachung  des  Silberwertes.
Aber  Qarne  haben  sich  fast  verfünffacht,  Gewebe  nur  reichlich  verdoppelt. ­
  Früher  kam  auf  Garne  kaum  ein  Drittel,  heute  fast  die  Hälfte  der
ganzen  Summe.
Auf  alle  andern  Waren,  ausser  Opium  und  Baumwollwaren,  kamen
Ende  der  achtziger  Jahre  noch  nicht  zwei  Fünftel,  1904  dagegen  54  Prozent. ­
  Mit  grösseren  Summen  ragen  heute  nur  Petroleum  und  Zucker
hervor  und  nach  schlechten  Ernten  Reis.
Fragen  wir  uns,  welchen  wirtschaftlichen  Zwecken  die  Einfuhr
dient,  so  ist  ganz  auffallend,  dass  sie  zum  weitaus  grössten  Teil  nicht
für  die  Produktion,  sondern  für  den  unmittelbaren  Verbrauch  erfolgt,
wenn  wir  von  Baumwollgarn  absehen.  Erst  in  den  letzten  Jahren  hat
sich  das  etwas  geändert.  Aber  auch  für  das  Jahr  1904  machen  die
Waren,  die  als  Rohstoffe,  Halbfabrikate,  Maschinen  usw.  der  Produktion
dienen,  soweit  sie  sich  aus  der  mangelhaften  chinesischen  Statistik  aussondern ­
  lassen,  erst  etwa  40  Milk  Tis.,  noch  nicht  12  Prozent  der  Einfuhr,
aus  (von  Garn  immer  abgesehen),  und  darin  stecken  für  7  Milk  Kohlen,
die  grösstenteils  der  fremden  Schiffahrt  dienen.  Eine  Stärkung  der  wirtschaftlichen ­
  Produktionskraft,  d.  h.  also  der  Kaufkraft  Chinas,  findet
also  durch  seine  Einfuhr  nur  in  geringem  Umfange  statt.
Ganz  anders  Japan.  Ich  habe  in  meinem  angeführten  Schriftehen
die  in  der  Tabelle  III  wiedergegebene  Scheidung  der  Einfuhr  in  Waren,
die  dem  Verbrauch  dienen,  durchgeführt  bis  1903  und  hier  bis  1904  fortgeführt. ­
  Das  Kriegsjahr  1904  ist  natürlich  in  mancher  Beziehung  nicht
normal.  Die  Einführung  von  Kriegszöllen  hat  bei  manchen  Waren  zunächst ­
  die  Einfuhr  gesteigert,  später  gehemmt.  Die  Einfuhr  von  Waren
des  reinen  Luxusbedarfs  (z.  B.  Taschenuhren)  hat  abgenommen.  Die
Einfuhr  aus  Russisch-Asien  und  der  Mandschurei  war  natürlich  arg  gestört ­
  (Salzlachs!)  *)  Ein  erheblicher  Teil  der  Einfuhr  besteht  aus  Kriegsbedarf, ­
  so  die  grosse  Zunahme  von  Waliser  Kohle,  Dampfschiffen,  Häuten, ­
  Leder,  Wolldecken,  während  andere  Wollstoffe  abnehmen.**)
Die  Tabelle  V  zeigt,  dass  die  der  Produktion  dienende  Einfuhr  viel
stärker  gestiegen  ist,  als  die  dem  Verbrauch  dienende.  Das  ist  nur  die
andere  Seite  der  uns  bekannten  Erscheinung,  dass  die  Ausfuhr  namentlich ­
  industrieller  Erzeugnisse  sich  so  stark  vermehrt  hat.

*)  Bemerkenswert  ist  die  starke  Zufuhr  von  raffiniertem  Zucker  aus  Russland,  die
von  150  t  auf  1860  t  stieg.  Russland  gibt  seinem  Zucker  Prämien,  damit  der  japanische
Konsument  billigeren  Zucker  bekommt.
**)  Der  Import  für  Kriegszwecke  ist  aber  in  der  Handelsstatistik  offenbar  nur  unvollkommen ­
  enthalten.
            
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