Full text : Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie

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Die  Heimarbeit  und  ihre  Verbreitung  in  der  Metallindustrie.,

Sckxvai'Lwälcler  (lkreninclustriebeLirk.
Zu  derjenigen  Industrie,  die  eine  ganz  bedeutende  Anzahl  Heimarbeiter ­
  ausweist,  gehört  auch  die  Uhrenindustrie  des  badischen  und
württembergischen  Schwarzwaldes.  Diese  Industrie  erstreckt  sich  über
Aurtwangen,  Gütenbach,  St.  Georgen,  Kriverg,  Lenzkirch,
Wiltingen,  sowie  noch  über  die  umliegenden  Ortschaften  obiger
badischer  Städte.  Im  württembergischen  Schwarzwald  sind  es  die  Orte
Weustadt  a.  £).,  Schwenningen  und  Schramberg  mit  Umgebung.
In  den  genannten  Orten  werden  alle  Arten  Schwarzwälder  Holzuhren ­
  wie  sogenannte  Jockeles-,  Schotten-,  Kuckucks-,  Wachtel-  und
Trompeteruhren,  Regulateure,  sogenannte  Pariseruhren,  Uhren  amerikanischen ­
  Systems,  Kontrolluhren,  Jahresuhren  und  Gasmesser-  und
Wasseruhren,  sowie  Phonographen  und  Gramophonen  verfertigt.  Die
Heimarbeit  ist  in  sämtlichen  obigen  Uhrenbranchen  vertreten,  am
bäufigsten  bei  den  Uhren  amerikanischen  Systems.  Die  männlichen
Heimarbeiter  rekrutieren  sich  vielfach  aus  früheren  selbständigen  Kleinmeistern,
  die  vom  Großbetrieb  aufgesogen  wurden  und  sich  nicht  gerne
unter  eine  Fabrikordnung  stellen,  sowie  aus  älteren  Arbeitern,  die  sich
auch  nicht  gerne  schurigeln  lassen  wollen  und  zum  großen  Teile  aus
solchen,  die  noch  ein  Häuschen  und  etwas  Landwirtschaft  ihr  Eigen
nennen.  Die  letzteren  wohnen  meistens  in  den  Landorten  und  arbeiten
um  einen  ganz  geringen  Lohn.  Die  weiblichen  Heimarbeiter  sind
meistens  verheiratete  Frauen  und  Witwen.  Daß  auch  die  Kinderarbeit ­
  eine  sehr  verbreitete  sein  muß,  geht  aus  einer  Bekanntmachung
der  Schwarzwälder  Handelskammer  hervor,  die  diese  mit  einem  Gefühl,
als  habe  sie  den  Schulkindern  eine  recht  große  Freude  bereitet,  in
sämtlichen  Zeitungen  des  Schivarzwaldes  veröffentlicht.  Bekanntlich
dürfen  Kinder  in  solchen  Werkstätten,  in  denen  Blei,  Kupfer,  Zink
oder  Legierungen  dieser  Metalle  verarbeitet  werden,  nicht  beschäftigt
werden.  Als  Werkstätten  werden  auch  die  Räume,  die  zum  Wohnen  u.  s.  w.
dienen,  angesehen.  Die  Handelskammer  schreibt,  daß  ein  solches  Verbot
sehr  nachteilig  für  die  Hausgewerbetreibenden  sei.  Infolgedessen  hat
sie  bei  der  Regierung  Schritte  unternommen,  um  dies  Verbot  aufzuheben.
Der  Bundesrat  ist  dem  Gesuch  nachgekommen,  indem  er  gestattete,  daß
die  eigenen  Kinder  in  solchen  Werkstätten  beschäftigt  werden  dürfen,  in
denen  das  Sortieren  und  Zusaminensetzen  von  Uhrenbestandteilen  erfolgt.
Schon  lange  verlangen  die  organisierten  Arbeiter,  daß  die  Heimarbeiter
unter  die  Arbeiterschutz-  und  Versicherungsgesetze  gestellt  werden  sollen,
aber  noch  nie  hat  sich  die  Regierung  bewogen  gefühlt,  dem  gerechten
Wunsche  der  Arbeiter  zu  entsprechen.  Wir  zweifeln  sehr  daran,  daß
die  Regierung  ein  solches  Entgegenkommen  gezeigt  hätte,  wenn  die
Arbeiter  mit  einem  Wunsche  gekommen  ivären.  Dieser  Vorfall  zeigt
aber  wieder,  daß  die  Profitwut  auch  nicht  vor  der  Ausbeutung  der
Kinder  Halt  macht.
Was  die  Herstellung  von  Holzuhren  betrifft,  so  erfolgt  diese  fast
ausschließlich  in  der  Hausindustrie.  Bei  diesen  Uhren  finden  wir  auch
            
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