Baden und Württemberg: Tuttlingen und Umgegend.
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Tuttlingen unä dmgegencl.
Die Heimindustrie am hiesigen Platze erstreckt sich auf die Herstellung
chirurgischer Instrumente und von Messerwaren. Die Zahl
der darauf beschäftigten Heimarbeiter beträgt für die chirurgische Jnstrumentenerzeugung
zirka 70, für die Messerwarenfabrikation 60 Personen.
Die chirurgischen Instrumentenmacher sind größtenteils freiwillige Heimarbeiter,
während die Messerschmiede sich gezwungen der Heimindustrie
zuwenden, weil größere Fabriken, die diese als Arbeiter aufnehmen
könnten, nicht bestehen. In weitaus den meisten Fällen ist die Heimarbeit
Hauptbeschäftigung, es gibt aber auch Heimarbeiter, welche dieselbe
als Nebenbeschäftigung betreiben, das ist besonders aus dem Lande
der Fall. Hier wird sie größtenteils als Nebenbeschäftigung betrieben.
Mit einigen Ausnahmen sind die Heimarbeiter alle verheiratet und
besteht ihre Wohnung in den meisten Fällen aus zwei bis drei Zimmern.
Es gibt aber auch hier wieder Ausnahmen, jedoch sind größere Wohnungen
eine Seltenheit. Der größte Teil arbeitet in besonderer Werkstatt, es
gibt aber auch solche, welche im Zimmer einen Schraubstock angebracht
haben, woran gearbeitet wird, zum Teile arbeiten sie allein, zum Teile
mit jüngeren Gehilfen oder Lehrlingen. Man kannn auch Lehrlingszüchtereien
antreffen.
Die Arbeitszeit beginnt im Sommer gewöhnlich um 5 Uhr morgens
und endet um 7 oder 8 Uhr abends, im Winter um 7 Uhr morgens
und endet um 9 oder 10 Uhr abends und noch später. Samstags kommt
es vor, daß bis 12 Uhr und oft die ganze Nacht gearbeitet wird, meist
arbeiten die Gehilfen und Lehrlinge länger wie der Meister und erhalten
für Überzeitarbeit entweder Stunden- oder Akkordlohn; die Arbeitszeit
wird gewöhnlich durch eine viertelstündige Pause vor- und nachmittags
unterbrochen. Sonntagsarbeit gibt es überall. Der Verdienst ist nicht
kontrollierbar. Die Gehilfen erhalten 5 bis 6 Mk., in Ausnahmesällen
8 bis 10 Mk. pro Woche. Der größte Teil der Heimarbeiter arbeitet
für die hier am Platze befindlichen Fabriken. Es gibt aber solche,
welche nebenbei noch für eigene Rechnung arbeiten, was jedoch von den
Fabrikanten nicht gern gesehen wird. Das Werkzeug müssen die Heimarbeiter
selbst anschaffen, ebenso Maschinenbetrieb u. s. w., soweit sie
dieselben benötigen, auch müssen dieselben die Rohmaterialien selbst
kaufen und zwar in der Fabrik zu bedeutend höheren Preisen als sie
anderswo bezahlen würden, dafür erhalten sie für ihre Arbeit nicht
mehr, sondern vielfach noch weniger wie Arbeiter in der Fabrik.
Die Wohnungsmiete schwankt zwischen 150 bis 300 Mk., je nach
Lage und Größe der Wohnung, wobei aber zu bemerken ist, daß der
größte Teil der Heimarbeiter Hausbesitzer ist. Was die Versicherung
gegen Krankheit betrifft, so gehört ein großer Teil keiner Krankenkasse
an. Fälle, in denen Familienangehörige versichert sind, sind selten.
Fast alle Heimarbeiter betreiben nebenher noch Landwirtschaft.
Oberflächlich betrachtet könnte mau leicht zu der Ansicht kommen,
daß hier die Heimarbeiter noch gut daran sind. Sieht man sich die