thumbs : Neuere Zeit (Abt. 2)

73Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.

Franzosen 14900 Mann. Es war seit langem eine der blutigsten
Schlachten; für Frankreich bedeutete sie einen schweren Verlust
an militärischem Prestige; dem Kurfürsten von Bayern brachte
sie die Flucht aus seinem Lande und die Achtung durch Kaiser
und Reich. Und stark war auch die mittelbare Nachwirkung.
Im Elsaß und an der Mosel machte die Sache der Allianz jetzt
Fortschritte, in Ungarn schrumpfte der Aufstand ein; Bayern
fiel schließlich ganz in die Verwaltung Osterreichs. Machtvoll
aber und einig erschien die Große Allianz im Glanze dieser
Errungenschaften; nahe schon konnte man das Ende des
Krieges glauben.
Kaiser Leopold hat diesen Umschwung sich noch einleiten
sehen, aber nicht mehr völlig erlebt. Am 3. Mai 1705 ist er
gestorben; ein echter Habsburger, nicht von überwältigenden
Zügen persönlicher Größe, doch sorgsam wie sein erster könig⸗
licher Ahn und zäh im Ausharren im Unglück, wie jener
Friedrich III., der Deutschlands nomineller Herrscher während
mehr als der Hälfte des 15. Jahrhunderts gewesen ist. Mit
Freuden konnte er seinem Erstling, dem kräftigen Joseph J.,
die Aufgaben des Hauses hinterlassen. —
Die Schlacht von Höchstädt bezeichnet für Deutschland
den Höhepunkt der militärischen Ereignisse des spanischen
Erbfolgekrieges: seitdem verschoben sich die Aktionen auf die
Schauplätze der Niederlande und Italiens, und in gleichsam
getrennten Akten rannen außerdem noch Jahre eines spanischen
und ungarischen Krieges ab.
In Spanien war Erzherzog Karl, als spanischer König
Karl III., wesentlich nur durch die Sympathien der Katalonie,
unterstützt, während die Kastilier zu dem Bourbonen Philipp V.
hielten: Barcellona ist Karls eigentliche Hauptstadt gewesen.
Den Kampf um den Thron aber hatte er fast ganz mit portu⸗
giesischen Mitteln und mit den Hilfsleistungen der Seemächte
zu führen, bis im Jahre 1708 eine klein kaiserliche Armee
unter dem Marschall Guido von Starhemberg eintraf. Das
Ergebnis war schließlich gering. Gewiß führte Starhemberg
den Erzherzog noch einmal bis Madrid, in das er im Jahre
            
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