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vollsten und kühnsten Persönlichkeiten der Französischen Re
volution und mit ihnen die Höhenontwicklung der revolutio
nären Action am meisten bestimmt. Unvergleichlich ragt in
dieser Reziehung der im lAissenschattlichen und Politischen
bedeutendste Schüler Rousseaus, der von Pseudohistorikorn der
Europäischen Gontrorevolution einschliesslich derjenigen der
Girondistischen Gattung, so niederträchtig entstellte Jean Paul
Marat hervor. Er war nicht blos der würdigste Jünger, son
dern auch in einigen Richtungen der Rächer Rousseaus. Dei
Sturz der Gironde kann als eine Niederwerfung der hohlen
und jesuitischen Monopolisten des den höheren Classen vorbe
haltenen Bildungskrams und mithin als eine Vollstreckung des
Rousseauschen Urtheils angesehen werden. Die Conflicto Ma-
rats, des physikalischen Theoretikers, mit der Akademie kön
nen als Vorspiel davon gelten, wie sich die Bestrebungen ficier
und volksmässiger Geister mit den Institutionen des volks
feindlichen Gelehrsamkeitsbetriebs verrotteter und despotisch
privilegjrter Art abzufinden haben dürften. Mär at hatte im
Criminalrecht seinen Ausgangspunkt von dem philanthropischen
Beccaria genommen, der eingeständlich zwar der Menschheit
zu nutzen, aber ein „Märtyrer” für sie zu werden keine Lust
hatte. Diese Schwächlichkeit hatte Marat, der bekanntlich dem
Girondistisch aufgestachelten Meuchelfanatismus zum Opfer
fiel, durch charaktervolle Darlegungen ersetzt und war schliess
lich zu jener eisernen und blutigen Consequenz fortgeschritten,
welche die Logik aller Kämpfe um Sein und Nichtsein Ange
sichts der staatlichen und geistigen Corruption der alten Gesell
schaft mit sich bringt. Trotzdem findet man selbst auf der
Höhe der revolutionären Entwicklung Marats in dessen be
rühmtem Journal, dem Publicisten, in dem ersten Halbjahr
von 1793, mit dem es selbst und sein Schöpfer dem Ende bald
anhoimfiolen, keine Gedanken, die als ein entscheidendoi Schi itt
zum Socialismus gelten könnten. Marat durchschaute, wie
Keiner sonst, den brütenden Verrath, der in der Verruchtheit
der alten Zustände seine Wurzeln hatte und eine Nothwendig-
keit davon war, dass man in dem neuen System, namentlich
in den militärischen Aemtern, die alten Personen duldete. Auch
verstand er den Kampf auf Tod und Loben, der zwischen der
Gironde und der echten Demokratie gleichsam von der Natur
oder besser der Unnatur jenes Typus hervorgerufen wurde.