Full text : Russlands Bankerott

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Rußlands
Zahlungbilanz. ­


Der  zweifelhafte ­
  Ausfuhrüberschuß. ­


„Bulletin  russs"  die  beiden  vorigen  Male  an  Stelle  der  Verzinsung  des
vollen  Anlagekapitals  bloß  die  Verzinsung  der  formell  in  das  Staatsschuldbuch ­
  eingeschriebenen  Eisenbahnschuld  gesetzt  hatte.  Ein,  wenn
auch  nicht  großer  Teil  der  russischen  Eisenbahnen  ist  aber  ohne  spezielle
Bauaulcihe  aus  laufenden  Mitteln  hergestellt  worden,  und  von  diesem
hatte  das  „Bulletin  russe“  zwar  den  Betriebsgewinn,  nicht  aber  die
Anlagekosten  in  Rechnung  gestellt."
Soweit  über  die  Helffcrichschen  Quellen.  Uebrigens  hat  er  nicht
einmal  die  von  ihm  mitgeteilten  Zahlen  gehörig  benutzt,  denn  während
er  nach  älteren  Witteschen  Noten  noch  die  Melodie  von  den  Eisenbahnüberschüssen
  bläst,  ergibt  der  von  Helfferich  mitgeteilte  Budgetvoranschlag
für  1904  im  Ordinarium  Einnahmen  der  Staatseisenbahnen  —  447,4,
dagegen  Ausgaben  im  Verkehrswesen  —  473,6  Will.  Rubel.  Gehen
wir  nunmehr  zu  einzelnen  besonders  wichtigen  Fragen  über.

1.  Die  russische  Zahlungbilanz.

Helfferich  schreibt  darüber  (S.  1050):
„Der  Gesamthandel  Rußlands  in  Einfuhr  und  Ausfuhr  zeigt  folgendes ­
  Bild:

Einsuhr

Ausfuhr  Ausfuhrüberschuß
(Millionen  Rubel)

1885

435,3

538,6

103,2

1895

489,4

691

201,6

1901

533

730

197

1902

527

825

298

1903

601

949

348

Wie  aus  diesen  Zahlen  hervorgeht,  wirft  der  russische  Außenhandel
einen  beträchtlichen  Ausfuhrüberschuß  ab.  Der  Ueberschuß  schwankt
naturgemäß  in  den  einzelnen  Jahren,  vor  allem  nach  dem  die  Größe  des
Ausfuhrwertes  in  erster  Linie  beeinflussenden  Ernteausfall  und  den  Getreidepreisen, ­
  sowie  nach  der  Größe  der  Kapitaleinfuhr  aus  den  westeuropäischen ­
  Ländern.  Im  großen  Durchschnitt  erscheint  der  Ausfuhrüberschuß ­
  jedoch  mehr  als  ausreichend,  um  die  jährlichen  Zahlungsverpflichtungen ­
  des  russischen  Staates  und  der  russischen  Volkswirtschaft
an  das  Ausland  zu  bestreiten.  Auch  daraus  läßt  sich  der  Schluß  ziehen,
daß  Rußlands  volkswirtschaftliche  Kraft  zur  Erhaltung  geordneter  Finanzund
  Währungsverhältnisse  ausreicht."
Eine  derartige  Zusammenstellung  ist  ganz  willkürlich.  Nach  allgemein
wissenschaftlichen  Gebräuchen  hätten  mindestens  auch  die  Zahlen  der
Jahre  1899  und  1900  angegeben  werden  müssen.  Es  lag  absolut  kein
Grund  vor,  diese  fortzulassen  oder  nicht  überhaupt  sämtliche  Ziffern  seit
1885  zu  bringen,  wenn  sie  nicht  eben  geeignet  wären,  das  Bild  vollständig
zuungunsten  der  russischen  Zahlungbilanz  zu  verschieben.
Während  die  Helsferichsche  Darstellung  den  Schein  erregt  und  wohl
auch  erregen  soll,  daß  der  Ausfuhr-Ueberschuß  Rußlands  gestiegen  sei
und  regelmäßig  wenigstens  200  Millionen  Rubel  betrage,  ergibt  sich
aus  der  Angabe  aller  Jahre,  daß  dies  nicht  der  Fall  ist.  Vielmehr
war  in  den  achtziger  Jahren  der  Ausfuhr-Ueberschuß  größer  als  jetzt,
            
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