Full text : Russlands Bankerott

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bestehen,  daß  der  größte  Teil  der  vom  Ausland  durch  Verkauf  von
Wertpapieren  und  Anleihen  beschafften  Gelder  ins  Ausland  wieder  abgeflossen ­
  ist.  Kann  somit  die  Tatsache,  daß  ein  großer  Teil  der  vom
Ausland  aufgenommenen  Gelder  zum  Bau  von  Eisenbahnen  Verwendung
gefunden  hat,  die  Tatsache  der  ungünstigen  Zahlungbilanz  Rußlands
nicht  aus  der  Welt  schaffen  oder  in  ihrer  Bedeutung  vermindern,  so  wäre
es  doch  immerhin  möglich,  daß  im  Innern  des  Landes  gute  Ertragnisse ­
  der  Staatseisenbahnen  den  Steuerdruck  erleichtert  und  den  Status
der  russischen  Finanzen  verbessert  hätten.  Dieser  Meinung  gibt  Helfferich
Ausdruck.
In  Uebereinstimmung  mit  einem  Budget-Bericht  des  russischen
Finanzministers  für  das  Jahr  1902  bemerkt  er,  daß  der  Ueberschuß
der  Staatsschuld  über  die  Aktiven
am  1.  Januar  1892  —  3026,3  Millionen  Rubel
„1.  „  1902  —  1882,5
betragen,  sonnt  um  1143,8

sich  vermindert  habe.
Dieses  schöne  Ergebnis  erhält  Witte-Helfferich  dadurch,  daß  er
alle  Ausgaben,  welche  für  die  russischen  Staats-Eisenbahnen  gebucht  sind,
als  Anlagekosten  estimiert.  Run  ist  zunächst  zwischen  Ausgaben  und
wirklichen  Baukosten  in  Rußland  ein  großer  Unterschied.  Von  100  Mark,
die  in  Petersburg  verausgabt  werden,  wird  nur  ein  Teil  wirklich  verbaut. ­
  Der  Rest  wird  verdient.  Bei  den  älteren  Eisenbahnbauten  soll
beispielsweise  der  Bauunternehmer  durchschnittlich  für  den  Kilometer
60  000  Mark  empfangen  haben,  dessen  Herstellung  40  000  Mark  gekostet
hat,  wobei  allerdings  bemerkt  sei,  daß  der  Bauunternehmer  nicht  die
gesamten  20  000  Mark  verdient  hat,  sondern  mit  einflußreichen  Personen ­
  teilen  mußte.  Die  Auslagen  einfach  als  Wert  einzustellen,  ist
danach  vollständig  verfehlt.  Hierzu  kommt,  daß  die  russische  Regierung
auf  Kapitalkonto  auch  solche  Posten  verbucht,  welche  anderweit  abgeschrieben, ­
  beziehentlich  auf  den  Erneuerungsfouds  verrechnet  werden.
Wenn  Schienen  ausgewechselt  werden,  oder  unbrauchbare  Waggons
durch  andere  Ersatz  finden,  so  ist  augenscheinlich  der  Wert  der  Eisenbahn
nicht  vermehrt.  Anders  nach  russischer  Berechnungsart;  hier  werden
die  für  die  Unterhaltung  des  Betriebes  neu  zu  machenden  Anschaffungen
dem  Kapital-Konto  gut  geschrieben,  so  daß  es  kein  Wunder  ist,  wenn  sich
nach  dieser  Berechnuugswcise  der  Wert  der  russischen  Eisenbahnen  auch
auf  den  alten  Linien  erhöhen  muß.  Wenn  man  das  gleiche  Verfahren
zum  Beispiel  bei  der  Dortmunder  Union  anwenden  wollte,  würde  für
deren  Aktien  wahrscheinlich  noch  nicht  einmal  ein  Kurs  von  300  ausreichend ­
  sein,  um  die  Aktiva  zu  balanziereu.  Uebrigens  bemerkt  Helfferich
selbst  zu  dieser  Berechnung,  daß  sie  einen  Faktor  von  problematischem
Wert  darstellt.  Dagegen  gewähre  einen  einwandsfreien  Ueberblick  über
das  Verhältnis  von  Staatsschuld  und  produktivem  Staatsvermögen  die
Gegenüberstellung  der  Erfordernisse  für  den  Dienst  der  Staatsschuld

Hohe
Baukosten.

Willkürliche
Wertberechnuugeu

            
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